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| November 2001 | kontakt@okf-sued.de |
Tageszeitung "junge Welt"Hohn für das befreite KabulMutmaßungen und Falschinformationen auf der Titelseite![]() Unverhohlen für die Taliban argumentierend, deren Rückzug angeblich "kampflos und geordnet" gewesen sein soll, trägt die junge Welt weiter zur Desorientierung der sozialistischen Linken bei. Denn tatsächlich haben die Taliban-Faschisten, die die Bevölkerung Afghanistans jahrelang in Geiselhaft hielten, überstürzt und fluchtartig das Weite gesucht; sie ließen zahlreiche schwere und leichte Waffen zurück. junge Welt zieht natürlich die Berichte über die faktische Erleichterung und Freude im befreiten Kabul in Zweifel. Solche Berichte blieben angeblich "unwidersprochen", weil der Fernsehsender Al Dschasira bombardiert wurde. Den pro-Taliban-Sender Al Dschasira bezeichnet die junge Welt als "unabhängig". Sie wollen keine Befreiung sehen und schreiben deshalb "Befreier". Gleichzeitig empören sie sich darüber, dass die unterdrückte Bevölkerung vereinzelt ihre berechtigte Wut an den Leichen der Faschisten auslässt. Von Plünderungen wurde nur sehr vereinzelt berichtet, sie wurden von hungernden Menschen begangen. Zuversicht und Freude ist berechtigt, auch wenn die Situation noch nicht ganz geklärt ist. Für übertriebene Skepsis ist derzeit aber kein Anlass. Aber den Antiimperialisten reicht es ja schon, das "US-Verbündete" in die afghanische Hauptstadt einmarschieren, ihnen waren die Terroristen des Bin Laden, dem Taliban-Militärchef, offenbar lieber - eine perverse Vorliebe, die von den Menschen in Afghanistan nie geteilt wurde. Einseitig wird nur der Nordallianz "schlechter Ruf in Sachen Menschenrechte" vorgeworfen. Sie werden schon verurteilt, bevor hingeschaut wird - und das auf der Titelseite einer Tageszeitung. Kein Wort verliert der Redakteur Rüdiger Göbel über die Freude der Menschen, die sich in den Straßen versammeln. Sie dürfen nun wieder Musik hören, die seit Jahren verhängte nächtliche Ausgangssperre wurde aufgehoben, die Menschen begrüßen das Ende des Krieges. Kein Wort darüber, dass Frauen ab sofort wieder arbeiten dürfen, kein Wort, dass Mädchen wieder zur Schule gehen dürfen. Kein Wort darüber, dass die Frauen nun nicht mehr befürchten müssen auf der Straße von den Religionswächtern geprügelt zu werden, wenn sie sich nicht völlig verschleiern. Natürlich stand in der jungen Welt auch nie ein Wort über die öffentlichen Hinrichtungen im Fußballstadion, die Unterdrückung jeder Alltagskultur und über die absolute Ignoranz der Taliban gegenüber dem Schicksal der Bevölkerung. Das muss nicht wundern, denn die Linksdogmatiker der jungen Welt haben ihren LeserInnen in den letzten Wochen die wirkliche Situation in Afghanistan nicht dargestellt, sondern systematisch verschwiegen oder gar schöngeredet. Sie haben nicht darüber berichtet, was die Scharia ist. Insofern ist dieses Blatt so überflüssig und unnütz wie Kropf geworden. Aufgeschlossen für die Rechte der Frauen waren die Ostberliner ohnehin noch nie. Revolutionäre Politik haben sie auch noch nie vertreten, sonst würden sie die reformistischen Pazifisten von der PDS nicht in ihrem Pazifismus nachahmen. Der Zweck der Bombardierungen war es, die Taliban zu beseitigen. Dieses Ziel war ebenso berechtigt wie es die Bombardierung deutscher Städte im zweiten Weltkrieg war. Es ist erschreckend, das sich große Teile der Linken gegen die USA und damit auf die Seite der Faschisten und Terroristen gestellt haben. Diese Position war grundfalsch, weil sie über einen allgemeinen Pazifismus oder eine neutrale Haltung hinausging. Die Verteidiger der faschistischen Taliban haben sich gegen die Interessen der Bevölkerung Afghanistans gestellt, ob sie das immer wissentlich und willentlich taten, soll damit nicht gesagt sein. Das falsche pazifistische Dogma, man könne mit Gewalt keine Probleme lösen, wurde erneut widerlegt. Widerlegt wurde auch, dass die Verteidiger der Taliban aus humanitären Gründen gegen das Bombardement waren, denn wie der junge Welt-Bericht zeigt, ist dem Herrn Redakteur Göbel die Verbesserung der Lage der Bevölkerung Afghanistans keine Zeile wert. Wenn er darüber nicht unterrichtet ist oder war, dann hat er seinen Beruf verfehlt - oder er täuschte seine LeserInnenschaft wissentlich. Hintergrund ist natürlich der Antiimperialismus, dieses stalinistische Relikt des kalten Krieges. Mit Kapitalismuskritik hat die einseitige Pflege eines eingeübten und liebgewonnenen Feindbilds nichts zu tun, wer das glaubt, der glaubt es nur. Damit soll nicht gesagt sein, dass die "antiimperialistische" Solidarität mit fortschrittlichen Bewegungen, beispielsweise in Mittelamerika falsch war. Aber heute führt der verfaulte Antiimperialismus zur Solidarität mit Faschisten, was mehr als bedenklich ist.
Wenn die Wortführer der Linken nicht bereit sind, sich für den Erhalt bürgerlich-demokratischer Freiheit und gegen islamistischen Faschismus (damit sind nur die terroristischen Jihaisten gemeint!) einzusetzen, dann wird ihr Eintreten für eine sozialistische Zukunft, für die gestritten werden muss, mehr und mehr unglaubwürdig. |
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