Altlinke pflegen ihr Feindbild USA
Weltmachtsphantasien und die Legende vom Erdöl

Die alte Linke reagierte auf die Anschläge vom 11.September mit einem antiamerikanischen Reflex und einer stereotypen Anti-Kriegshaltung. Abgedroschen, inhaltsleer und ihre eingeübten Vorurteile pflegend, wurden die Friedensschilder herausgeholt. Wie die Mehrheit der Bevölkerung blendet sie die Ursachen des Afghanistankrieges aus. Da es dennoch Ursachen geben muss, erfindet man einfach neue.
Sich die terroristischen Angriffe vom 11.Septemver ins Bewusstsein zu rufen ist weder angenehm, noch leicht. Nachlässig ist es, sie als ursächlich zu verwerfen. Was die Amerikaner auch tun - immer sind sie die Schuldigen. Die Menschen in den entführten Flugzeugen, im Pentagon und in den beiden Türmen des World Trade Center wurden nicht Opfer einer gerechtfertigten oder nicht gerechtfertigten Antwort auf den US-Imperialismus. Sie wurden Opfer eines islamistischen Klerikalfaschismus, der sich blindwütig gegen alle Amerikaner, alle Juden und die westlich-liberale Lebensweise richtet.
Man muss die westliche Zivilisation aus kommunistischer Sicht für eine noch unausgereifte Form des menschlichen Fortschritts halten, denn noch ist sie Klassengesellschaft und beruht sie auf dem Privateigentum und der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft. Aber die mit dieser Produktionsweise verbundene bürgerlich-demokratische Kultur und Lebensweise ist - bei aller Kriminalität - die höchste bislang erreichte Form der Zivilisation. Linke, die nicht bereit sind diese bürgerliche Demokratie und Lebensweise gegen islamistischen Faschismus zu verteidigen müssten sich befragen und sollten sich informieren.
Bis zum 10.September konnte man die Drohungen, die vorherigen Massenmorde, beispielsweise in Algerien, die Scharia und die rassistische Frauenfeindlichkeit der Jihadisten leichter übersehen. Wer dies bis heute noch tut, der hat ein Defizit und muss sich Einseitigkeit vorwerfen lassen.
Dabei geht es nicht um Kriegsbegeisterung! Der Einsatz von Streubomben und die Beschießung ziviler Ziele müssen kritisiert werden. Die überzogene Behauptung der Krieg richte sich vor allem gegen die Zivilbevölkerung entbehrt aber jeder realen Grundlage. Da müsste schon eine Verwechslung mit der Kriegführung der Russen in Tschetschenien vorliegen - man denke an Grosny.
Weltmachtsphantasien
Nicht nur in DKP-Kreisen wird verstärkt die Legende verbreitet, die USA würden in Afghanistan Krieg führen, um eine Erdöl-Pipeline zu bauen. Die ökonomistische Herangehensweise ist natürlich eine bequeme Methode die ideologischen Differenzen und Ursachen auszublenden. Sie führt in diesem Fall zur völligen Verzerrung der Realität und dient der Bestätigung eines eingeschliffenen Feindbildes.
Die USA hätten diese Pipeline auch mit den Taliban haben können, die längere Zeit als "proamerikanisch" galten. Erst der verstärkte Einfluss von Bin Laden und seinen arabischen Terroristen hat die Distanz zu den USA verstärkt. Und wie gesagt, wer eine reale Ursache ausblendet, der muss sich eine dem eigenen Glauben entsprechende zurechtlegen. Die Altlinke muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass ihre Gläubigkeit, ihre Verschwörungstheorien und ihr plumper Antiamerikanismus eine Denkweise offenbaren, die punktuell dem Denken in der arabischen Welt entspricht.
Der sogenannte Antiimperialismus ist zum Ersatz für eine wirkliche Kritik der Verwertungs- und Ausbeutungsverhältnisse im Kapitalismus geworden. Nicht nur in Palästina hat der Antiimperialismus eine völkische, antisemitische und antiamerikanische Gestalt - auch in der europäischen Linken ist diese Sichtweise der Welt zu beobachten, die mit marxistischer Kritik der kapitalistischen Verhältnisse nichts zu tun hat.
(mak)
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