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Religiöser Terror 
Oktober 2001kontakt@okf-sued.de

Nicht spekulieren!

Keine Träne für die Taliban!

Der Imperialismus und das Netzwerk das Terrors

siehe auch:

Lexikon
Afghanistan

Religiöser Terror
schockt die Welt

Was wird mit der Weltwirtschaft?

Letter to the World Socialist Website

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Terror

Die Terroranschläge von New York und Washington haben unter den Altlinken hinlänglich bekannte, skeptische Reflexe ausgelöst. Da der Antiamerikanismus nicht nur bei Stalinisten gut eingeübt ist, darf nicht sein, was nicht ins Weltbild passt.

Zuerst weigert man sich die rücksichtslosen Angriffe auf Zivilisten und Militärbedienstete als Terror zu bezeichnen. Nach einem kurzen Ausdruck des Bedauerns wird dann auf die Opfer des US-Imperialismus verwiesen, die der in Vietnam, im Irak, usw. durch Interventionen in Nicaragua und sonstwo auf der Welt zu verantworten hat.

Tatsächlich ist die bigotte Dauertrauer kaum länger zu ertragen, aber die Empfindungen bleiben zwiespältig und es ist eine Tatsache, dass im World Trade Center Menschen aus aller Welt getroffen wurden, was als Anschlag auf die so genannte Zivilisation oder besser auf die Weltoffenheit in der kapitalistischen Metropole New York gedeutet werden kann.

Von manchen Linken werden wildeste Spekulationen betrieben. In der "jungen Welt" schreibt ein Boris Kagerlitzky von einem "Reichtagsbrand" und spekuliert jenseits aller Fakten, dass die USA nun in Richtung "Faschismus" treiben würden, usw.. Er versteigt sich gar zu Andeutungen die USA selbst seien die Attentäter gewesen.

Auf der Website des OKF Süd wurde die Täterschaft islamischer Fundmentalisten anerkannt, was uns vereinzelt den Vorwurf der "Moslemfeindlichkeit" eintrug, obwohl wir sehr differenziert argumentierten und uns gegen pauschale Verurteilungen der Moslems wandten und wenden. Dazu können wir nur feststellen: Wer oberflächlich liest, der wird nie zu einer Erkenntnis gelangen.

Wilde Spekulationen

Man muss an Erich Honecker denken, der seinen Sturz nicht der DDR-Bevölkerung und der gescheiterten SED-Politik zuschrieb, sondern einer angeblichen Verschwörung von Gorbatschow und anderen. Im arabischen Raum wird heute auch viel spekuliert. Wer die Täterschaft islamischer Fundamentalisten nicht wahrhaben will, der beschuldigt den israelischen Geheimdienst oder die CIA. Auf den Internetseiten von Indymedia wurde das ebenso ernsthaft diskutiert wie beim Kongress des "Roten Tisches" am 22./23.9.01 in Jena.
(siehe: Der Spiegel, 39/2001, S.23 oder: jungle world, Nr.40/2001)

Wer heute die Taliban direkt oder indirekt in Schutz nimmt und wie Boris Kagerlitzky so tut, als sei der Terror gegen die USA mit dem Reichstagsbrand zu vergleichen, der betreibt eine verblödende Verwirrungs- und Verschwörungspropaganda. Es ist bodenloser Unfug und bar jeglichen Belegs zu behaupten, die USA würden sich selber angreifen, damit ihre Angreifbarkeit beweisen und das als Kriegsgrund nehmen. Größerer scheinpolitischer Schwachsinn ist kaum vorstellbar.

Die alte Linke ist dabei, vollständig auf die Seite der idealistischen Spekulation überzugehen und entfernt sich immer weiter von den Realitäten auf dieser Welt. Es ist ja auch bequemer in den eigenen Vorstellungswelten zu schwelgen, als sich mit den widersprüchlichen gesellschaftlichen Verhältnissen zu befassen.

Bedeutend ist in diesem Zusammenhang, dass sich manche Linke weigern, den Terrorismus zu sehen und das Taliban-Regime zu verurteilen. Sie verschließen die Augen vor deren religiösem Terror, unter dem vor allem die Frauen entsetzlich zu leiden haben.
Sie erwecken mit ihrem Pazifismus gar den Eindruck, sie wollten die Taliban in Schutz nehmen. Wer die Taliban sind und was sie für ein Regime errichtet haben wird nicht in Betracht gezogen. (Hierzu folgt in Kürze ein Beitrag!)

USA züchten reaktionäre Regimes

Die USA haben die Taliban-Söldnerclique, die in Pakistan vom dortigen Geheimdienst militärisch und in Koranschulen ideologisch ausgebildet wurden selbst gezüchtet, wie sie über Jahrzehnte viele andere Terrorgruppen und reaktionäre Regimes gestützt und mit Waffen und Geld ausgerüstet haben:

  • die Somoza-Diktatur und die Contras in Nicaragua
  • die Todesschwadronen und Militärdiktaturen in El Salvador und Honduras
  • die Unita-Banditen (Savimbi) in Angola
  • die Mudjahedin in Afghanistan gegen die kommunistische Regierung von Nadschibullah
  • die UCK im Kosovo und in Mazedonien, wo sie zuletzt in Begleitung von US-Ausbildern einmarschierten
  • und eben die Taliban gegen die Mudjahedin in Afghanistan

Dies sind nur Beispiele. Man könnte historisch weiter zurückgehen und an die Militärdiktaturen in Chile, Argentinien, Bolivien, Haiti usw. erinnern. Immer wieder wurden menschenfeindliche Regimes und Militärs vom CIA ausgerüstet und ausgebildet, an die Macht gebracht oder an der Macht gehalten. In Afghanistan haben sie mittelalterliche Faschisten finanziert und ausgerüstet. Es ging den USA darum, eine Opposition zu der von Moskau unterstützten Regierung zu aufzubauen. Sie belieferten die Moslemfundmentalisten mit hochmodernen Waffen, den Stinger-Raketen, mit denen die Lufthoheit der Roten Armee in Afghanistan gebrochen werden konnte. Die Sowjetarmee musste geschlagen abziehen, hinterließ ein verwüstetes, mit Millionen Landminen verseuchtes Land und einen politischen Scherbenhaufen, der die spätere Machtübernahme der Taliban begünstigte. Diese Koranschüler machten ihre Theologie und die Scharia zum allgemeinen Gesetz.

Sie kümmerten sich einen Dreck um das Wohlergehen der Menschen im Land. Es wurden keine Straßen, keine Schulen, keine sozialen Einrichtungen gebaut. Die Taliban begreifen sich nur "auf der Durchreise" ins Reich von Allah und sie bauen deshalb nur Moscheen. Das ist keine Polemik, sondern eigene Aussage eines Taliban. Ein Nahostexperte berichtete bei Alfred Biolek von einem Gespräch mit einem Taliban-Minister, den er gefragt hatte, warum sich die Taliban nicht um den Aufbau des Landes kümmern.

Gegen das Terrorregime der Taliban kämpft heute die Nordallianz, die von moslemischen (schiitischen) Mudjahedin geführt wird. Die Taliban kommen aus dem Volk der Paschtunen und sind Sunniten. Sie haben sich frühzeitig den Hass des Iran verdient, denn zu Beginn ihrer Machtübernahme töteten sie sieben iranische Diplomaten und zwei Journalisten. Wie die Frankfurter Rundschau schreibt, rufen die sunnitischen Moslem-Faschisten dazu auf schiitischen Glaubensbrüdern das Haus anzuzünden. (FR, 17.09.01)

Wer sind die Täter?

Die linke Spekulation, die nur die USA verantwortlich macht verdeckt die inhumane und antiemanzipative Ausrichtung der Islamisten. Wer so tut als hätten die Terroristen, die zu Werkzeugen steinzeitlicher Theologen wurden, zwar das falsche Bewusstsein aber sie hätten doch irgendwie das Richtige getan, der verkennt den inhumanen Charakter des Terrors. Solche Akzeptanz führt zur Brutalisierung Denkens - die humane Regung derselben wird unglaubwürdig.

Wer glaubt es sei "antiimperialistisch" Terrorregime gegen die USA zu verteidigen, der hat sie nicht mehr alle beisammen. Es entsteht für die Imperialisten nach m.M. sogar eine politische Verantwortung das Taliban-Regime zu beseitigen, nachdem sie es selbst an die Macht gebracht haben. Wer das Frankenstein-Monster in die Welt setzt, der soll auch dazu beitragen es zu beseitigen.

Die Terroranschläge wurden von einer international organisierten islamischen Terrororganisation begangen. Die Beweise werden jeden Tag dichter - die von Osama Bin Laden inspirierte al-Qaida, ein islamisches Netzwerk, dass von Afghanistan, Pakistan, Tschetschenien, über Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, den Jemen über Ägypten und Algerien nach Deutschland bis in die USA besteht, ist für die Terroranschläge verantwortlich. Dafür spricht die religiöse Indoktrination ebenso, wie die Herkunft der Täter und die Ankündigung eines großen Angriffs gegen die USA vor wenigen Wochen durch Bin Laden selbst.

Man müsste schon Redakteur der jungen Welt sein, um davor die Augen verschließen zu können. Die Strategie der al-Qaida bezweckte eine Herausforderung der USA zum Zwecke der Eskalation. Was die Pazifisten fordern ist die Unterwerfung unter die Logik der Terroristen, denen das Wohl der Menschheit mit Nichten am Herzen liegt.

Was die Imperialisten tun werden ist noch unklar. Ob sie die Taliban in Kabul rasieren, scheint zweifelhaft. In jedem Fall ist ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung ist mit nichts zu rechtfertigen, was in der Öffentlichkeit auch genau so diskutiert wird. Doch ein Befreiungskrieg gegen die Taliban ist gerechtfertigt wie gegen jedes terroristische Unterdrückerregime. Sind die denn besser als Somoza (Nicaragua) oder z.B. als die "Arena"-Faschisten in El Salvador es waren?

Der Krieg wird von der Nordallianz auch schon länger geführt. Eine imperialistische Besatzung des Landes ist klar abzulehnen! Jedoch ist es gerechtfertigt die Nordallianz, die u.a. auch aus Moslems und anderen besteht zu unterstützen, damit der Terror gegen die Zivilbevölkerung ein Ende hat.

Islamismus und Faschismus

Damit man uns nicht falsch versteht hier noch der Vergleich mit Tschetschenien, wo von den Taliban unterstützte Islam-Faschisten bekämpft wurden: Die rücksichtslose Kriegführung der russischen Armee gegen die Zivilbevölkerung in Tschetschenien war und ist durch nichts zu rechtfertigen und ruft unsere tiefe Abscheu hervor. Werner Pirker von der "jungen Welt" sieht in Afghanistan eine "gepeinigte Nation" und beschuldigt die USA einen Krieg vorzubereiten, "dessen Zentrale Doktrin die Feigheit" sei. Kein einziges Mal hat Herr Pirker die "feige Kriegführung" der Russen in Tschetschenien kritisiert. In seinem - wie immer prorussischen - Kommentar zum kürzlichen Putin-Besuch fehlt jeder Hinweis darauf.

Wir wenden uns nicht gegen den Islam an sich, sondern dagegen, dass er als p o l i t i s c h e Herrschaftsform und Rechtsform (Scharia) benutzt wird. Das Christentum war, solange es direkt herrschte und die Gerichtsbarkeit mit Folter prägte auch eine blutige Angelegenheit (u.a.: Inquisition, Kreuzzüge, "Hexenverbrennung"). Die Sittenpolizei der Taliban und das Aussprechen einer "Fatwa", eines theologischen Urteiles, ist mit der "heiligen katholischen Inquisition" sehr gut zu vergleichen. Jedoch es gibt sehr viele Unterschiede bei den Moslems, weshalb wir pauschale Urteile zurückweisen.

Den gegen uns erhobenen unbedachten Vorwurf der "Kriegstreiberei" weisen wir ebenso strikt zurück. Er kommt wahrscheinlich daher, dass plumpe "Antiimperialisten" glauben der Antiimperialismus bestünde darin, immer gegen alles zu sein was die Imperialisten tun. Solch ein Antiimperialismus ist reine Dummheit.

Das ist auch beim Thema Palästina so, wo die Altlinken die Augen davor verschließen, dass die Palästinenserkinder, Jugendlichen und Erwachsenen den Antisemitismus nicht nur in der Schule und Moschee eingetrichtert bekommen. Wir sagen das und sind klare Gegner der israelischen Besatzung, aber eben auch Gegner der Bombenattentäter, die von Mullahs mit der Losung "Tötet alle Juden" und "Tötet alle Amerikaner" aufgehetzt werden, um sich z.B. in einer Pizzeria in die Luft zu sprengen.

Deutsche Nazis wie Horst Mahler rechtfertigen den Terror der Islamisten. Das gibt auch einen Hinweis darauf, dass diese Taliban eher mit den Faschisten, denn mit sonst etwas zu vergleichen sind. In diesem Zusammenhang möchte ich klar sagen, dass der Krieg der USA gegen die deutschen Faschisten im 2.Weltkrieg gerechtfertigt war. So steht der Vergleich. Diese Banditen könnten ggf. mit Giftgas zehntausende Menschen ermorden oder noch Schlimmeres verursachen. Wer das für übertrieben hält, der soll sich mal überlegen, ob er vor dem 11.9.01 solch einen Anschlag für möglich gehalten hätte.

Gegen den Kapitalismus muss ein politischer Klassenkampf geführt werden, der die Menschen erreicht und mobilisiert. Die Terroranschläge in den USA haben mit Befreiung oder Kritik an der kapitalistischen Ausbeutung in aller Welt gar nichts zu tun. Sie sind durch und durch antiemanzipativ, sie sind Anzeichen für einen Rückfall in die Barbarei.

(redaktion marxistische kritik)

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