www.okf-sued.org | ![]() |
Terroranschläge in Madrid | |
| März 2004 | kontakt@okf-sued.de |
SpanienDie unterschätzte Gefahr Kaltblütig, kühl technisch geplant und umgesetzt, völlig rücksichtslos massenhaft tötend - so wurden auch die Attentate von Madrid in die Tat umgesetzt. Es war die weltweit bekannte Handschrift der Djihadisten, die seit Jahren und verstärkt seit 2003 ihren Terror gegen alle Ungläubigen verbreiten. Die Anschläge auf Arbeiterzüge im Madrider Berufsverkehr zielten erneut darauf ab, möglichst viele Menschen zu töten und Angst und Schrecken zu verbreiten. Das ist ihnen gelungen, doch der zweifelhafte Ruhm der Bluttat wurde den Tätern nicht gleich zugestanden. Die spanische Regierung war wohl von Beginn an über die Urheber im Bilde. Deshalb war es verlogen und entsprang einem politischen Kalkül, die Separatisten der baskischen ETA zu verdächtigen, deren Terror Spanien seit Jahrzehnten zu erschüttern versucht. Doch fast nichts - so stellt sich immer mehr heraus - sprach für und alles gegen die Täterschaft der Baskenorganisation. Bislang hatten diese immer selektiv und mit Vorwarnung gebombt. Sie verbanden damit ein politisches Ziel - der massenhafte Terror stand nicht als Hauptzweck im Mittelpunkt. Sie beabsichtigten wirtschaftlichen Schaden zu verursachen, drohten immer wieder dem Tourismus, um den politischen Preis für die angebliche "Unterdrückung" der Basken in die Höhe zu treiben. Insofern waren die Anschläge gegen die Eisenbahn in Madrid völlig untypisch und auch nur zu erklären, wenn man von einem totalen Strategiewechsel der ETA ausging. Das taten die spekulierenden "Experten" in den Medien denn auch - ohne Rücksicht auf Verstand und Tatsachen. Von einer falschen Voraussetzung ausgehend wurde ersonnen, die ETA hätte Verbindungen zu al-Qaida / al-Qaeda bzw. hätte nun deren Methoden übernommen. Kenntnisloser Unsinn wurde uns zugemutet, die Tatsachen, die auf der Hand lagen, wurden ignoriert, um die Ideologie zu erhalten - wie so oft. "Experten" und Journalisten machten sich zu Handlangern einer politischen Taktik, die aber nicht aufging, denn sie war zu durchsichtig und zu verlogen. So wurden die Dementis von ETA, z.B. von Arnold Otegi, dem Chef der verbotenen baskischen Partei Herri Batasuna übergangen. Spaniens Innenminister Acebes blieb stur bei seiner ideologisch begründeten, voreiligen Schuldzuweisung. Die schlimme Wahrheit.Nur der britische Außenminister Jack Straw hatte von Anfang an die Wahrheit ausgesprochen, die jedoch niemand hören wollte, denn sie ist absolut unangenehm: Die Attentäter entstammen dem islamistischen Terrornetzwerk al-Qaeda. Deren Terror hält die Welt in Atem und dringt nun erstmals in die EU-Staaten vor, nachdem vor Monaten die türkische Hauptstadt von diesem grausamen Tun heimgesucht worden war. Die IndizienSchon die Machart des Massakers deutete zweifellos auf al-Qaeda. Mehr als zehn Bombentaschen wurden in Nahverkehrszüge, vollbesetzt mit Pendlern verteilt. Es wurde Plastiksprengstoff verwendet, der eben nicht wie fälschlich behauptet, dem von ETA ansonsten gebrauchten entsprach! Dann fand man Zünder, über deren Herkunft und Beschaffenheit keine Auskunft gegeben wurde. Das deutete schon auf eine Lügenkampagne hin, denn hätte es hier hinweise auf ETA gegeben, dann wäre damit getrommelt worden. Nach und nach verdichteten sich die Hinweise auf al-Qaeda: Mobiltelefone als Zündauslöser, ein Kleinlaster in dem sich außer einer Bombe auch noch eine arabische Audiokassette mit Koranversen befand. Dann kam das erste Bekennerschreiben und doch war ständig von ETA die Rede. Es sollte eine Vertuschung der Urheber vor den spanischen Parlamentswahlen stattfinden, damit die Menschen getäuscht werden und ihre Stimme brav der Konservativen geben. Doch die Taktik ging nicht auf, die Wahrheit kam nach Tagen doch ans Licht: Zeugen hatten verdächtige Araber gesehen. Ein weiteres Bekenntnis, diesmal ein Video, folgte und es wurden Marokkaner und Inder festgenommen. Die Bekenntnisse der Täter und ihre IdeologieIn einem Bekennerschreiben, dass der arabischen Zeitung "al-Quds al-Arabi" (‚Arabisches Jerusalem', London) zugesandt wurde, heißt es: "Wir haben unser Versprechen erfüllt: Die Todesschwadron ist in das Innerste der europäischen Kreuzzügler eingedrungen und hat einer der Stützen der Kreuzzügler und ihrer Verbündeten, Spanien, einen schmerzhaften Schlag versetzt. ... Wir in den Abu-Hafs-al-Masri-Brigaden trauern nicht um Zivilopfer. Dürfen sie denn unsere Kinder, Frauen, Alten und Jungen in Afghanistan, Irak, Palästina und Kaschmir töten, während es uns verboten ist, sie (die Ungläubigen, d. Red.) zu töten?" (FR, 13.3.04) Nach diesem Weltbild wird der Terror als Antwort auf einen "Kreuzzug" ausgegeben. Doch in Wahrheit findet ein solcher Kreuzzug nicht statt. Die Islamisten geben vor im Namen der Araber zu sprechen, dabei wollen sie weiter jede fortschrittliche Regung im arabisch-islamischen Raum blutig unterdrücken und die Rechte der Frauen und die frei denkenden Menschen demütigen. Ihr Ziel ist eine antiwestliche Welt der reinen islamischen Religion, orientiert auf einen Gott, ohne jede Menschlichkeit zu schaffen. Der Mensch soll sich seiner Vorstellungswelt völlig unterwerfen und jeder Kultur entsagen. So wie in Saudi Arabien, wo es nur Moscheen, aber keine Theater, keine Kinos, keine Museen, keine Tanzlokale und keine anderen Vergnügungsstätten oder Orte der Erholung und Freizeit gibt. Der Mensch wird zum Sklaven seiner Vorstellungswelt gemacht, im Namen einer jenseitigen Existenz, die eingebildet, wahnhaft, irreal ist. Die Islamisten nehmen Bezug auf eine Zeit im Mittelalter und auf die Situation im Nahen und Mittleren Osten, die von ihres Gleichen verschuldet wurde. Das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern könnte längst in friedliche Bahnen gelenkt sein, wenn es nicht das Ziel der Faschisten wäre Israel zu vernichten, so wie sie es in ihrem Bewusstsein und in ihren Lehrbüchern verleugnen. Ist das Ziel der Demokratisierung falsch?Wer oder was hindert sie daran, in ihren Ländern den reaktionären Königen und Mullahs den Laufpass zu geben und selbst für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse zu sorgen, anstatt immer auf den Imperialismus und Palästina zu verweisen? Die Behauptung, die USA hätten mit ihrem Konzept einer Demokratisierung der arabischen Welt die Auseinandersetzung angeheizt, verkennt die Lage. Die Islamisten haben dem Westen diesen Krieg aufgezwungen. Der USA wurde mit dem Massaker vom 11.September der Krieg erklärt, wobei es keine Möglichkeit zu Verhandlungen mit den islamischen Kombattanten gibt, denn die kennen nur die Sprache der Tat. Für rationale, nichtreligiöse Argumente sind sie nicht empfänglich, ihr Urteil steht unumstößlich fest. Die göttliche Unfehlbarkeit ist Teil ihres Selbstbewusstseins, sie verachten das Leben, das Glück und die Lust. Das Individuum ist ihnen nichts wert und ihre Verbohrtheit wird nur durch ihre Brutalität übertroffen. Diese Islamisten, deren Ideologie sich an der des deutschen Faschismus orientiert und deren erste Vorläufer enge Verbündete des Nazi-Staates waren (z.B. der Mufti von Jerusalem), wollen keine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Ihr Ziel ist die Durchsetzung ihrer Ideologie, die auf die Menschen und ihre Rechte keine Rücksicht nimmt. Wie Matthias Küntzel in seinem Buch ("Djihad und Judenhass", ca ira) eindrucksvoll nachweist, hat diese Ideologie des Todes, deren eliminatorischer Judenhass zum Himmel schreit, ihre Wurzeln in Ägypten, wo die Moslembruderschaft inspiriert vom deutschen Nationalsozialismus in den dreißiger Jahren begann den Antisemitismus zu schüren und einen Islam zu propagieren, der sich gegen jede Freiheit des Menschen im Sinne westlicher Demokratie und Aufklärung wendet. Noch einen Nachsatz zu den Urhebern des islamistischen Terrors. Die weltweiten Anschläge erfordern viel Geld und eine weitreichende Logistik. Wer unterstützt und finanziert die Banditen? Steckt ein Staat dahinter oder zumindest Organe eines Staates? Welcher Staat deckt diese Terroraktionen? Iran, Saudi Arabien, Ägypten? So ein Anschlag wie der von Madrid kostet bestimmt 100.000 oder 200.000 Euro. Kleingruppen können so etwas nicht bezahlen, wenn es schon keine zentrale Planung gibt, dann jedenfalls eine zentrale Finanzierung. (mak) (Quellen: Frankfurter Rundschau, 12. u. 13.3.04, CNN, Deutschlandradio, Deutschlandfunk, Bayern 5, N-TV, N24, Euronews)
Weitere Artikel zum Thema: |
home
|