www.okf-sued.org

home
Jihad und Antisemitismus 
  November 2002kontakt@okf-sued.de

Buchempfehlung

Die Macht des religiösen Wahns

Djihad und Judenhaß

Jena, Deutschland - Informationsabend mit Matthias Küntzel zu seinem Buch "Djihad und Judenhass", erschienen im Verlag ca ira, Freiburg, 13 Euro  

Bei einer Veranstaltung in Jena unter dem Thema "Djihad und Judenhass" gab der Autor Matthias Küntzel Einblicke in sein gleichnamiges Buch, dass kürzlich bei ca ira erschienen ist. Der aus Hamburg stammende Politologe ist durch Veröffentlichungen u.a. in KONKRET bekannt.

Gleich zu Beginn seines Vortrages verwies der Autor auf die zutiefst inhumanen Terrorakte des islamischen Djihad in den letzten Monaten und Jahren. Die Attentäter hatten es bei dem Anschlag auf die Diskothek in Bali darauf abgesehen möglichst viele BesucherInnen zu töten. Sie sprengten zunächst eine kleiner Bombe, um die Menschen auf die Straße zu treiben, versperrten dann den Fluchtweg mit einem Bus und zündeten dann den großen Sprengsatz.

Die islamistischen Attentäter von Netanja, Jerusalem u.a. israelischen Städten, vom 11.September, von Bali, Djerba und Moskau gehen kühl kalkulierend vor. Sie sind nicht - was der Autor betonte - von blinder Verzweiflung getrieben, sondern von einem tiefen religiösen Wahn beseelt, der sie dazu bringt Ungläubige, die es wagen ihr Leben zu genießen, zu töten. Zu allererst haben es die modernen Djihadisten auf Juden abgesehen, die ihnen als "Brüder der Affen, Mörder des Propheten, Blutsauger und Kriegshetzer" gelten.

Stolze Suizidbomber

In der arabischen Welt genießen die Terroristen des Djihad politische Unterstützung durch den politischen Islamismus, wie die Wahlergebnisse in Pakistan, in Marokko und die Massendemonstrationen im April 2002 zeigten. An diesen Demonstrationen, die die Suizidbomber gegen Israel feierten, nahmen etwa 2 Millionen Menschen teil, berichtete Matthias Küntzel.

Die BRD-Linke übt sich derweil in Ignoranz und Verharmlosung. Sie ist bemüht das Phänomen zu "rationalisieren", d.h. sie wollen die Wahrheit nicht an sich heranlassen, sprechen von den "verzweifelten Tätern" und unterschlagen damit, dass dieselben in ihren Bekennervideos ganz und gar nicht verzweifelt wirkten. Im Gegenteil: Sie waren von religiösem Stolz und Ehrfurcht vor ihrer bevorstehenden Gewalttat gezeichnet. Küntzel: "Früher wurden Massenmorde als faschistisch charakterisiert, heute, da sie Juden treffen, hört man kein Wort davon."

Naziverehrer

Im Mittelpunkt seiner Untersuchung steht die Moslembruderschaft aus Ägypten. Aus diesen Kreisen, die auch al-Qaida inspirierten, ein Teil davon sind, entstand die Idee des Djihadismus. Darunter wird eine Vernichtungsstrategie verstanden, die durch Terror und bewusste Selbsttötung eine Neuinterpretation des Begriffs Djihad liefert. Die "Todesindustrie" gilt als Ideal dieses Djihad und verkündet nicht die Liebe zum Leben, sondern die "Liebe zum Tod".

Matthias Küntzel wies auf die ideologischen Gemeinsamkeiten zwischen NS-Faschismus und Djihadisten hin, die beide in den 20er Jahre als Ergebnis ähnlicher sozialökonomischer Bedingungen entstanden sind. Der Einfluss von NS-Verbündeten wird durch den Großmufti von Jerusalem, einen glühenden Naziverehrer, verkörpert. Dieser Mufti erhielt, als ihm die Festnahme drohte, den Schutz der Moslembrüder in Ägypten. Das damalige ökonomische Programm der Islamisten ähnelte sehr dem der NSDAP.

Die Djihadisten führen einen Kampf gegen alle sinnlichen und materialistischen Dinge der Welt des Kapitalismus und Kommunismus. Nicht nur die Taliban, auch die Islamisten in Tschetschenien verhängten als sie von 1996-98 an der Macht waren ein Tanzverbot. Sie wenden sich gegen die Gleichstellung der Frauen, sie sind patriarchalische Männerbünde, die die absolute Herrschaft des Mannes über Frauen und Kinder wiederherstellen wollen.

Moslembrüder säten Judenhass

Die Macht des dahinter stehenden religiösen Wahns darf man - so die Aufforderung des Autors - nicht unterschätzen. Die menschliche Vernunft gilt den Djihadisten als Sakrileg, für sie zählt nur der Gottesglaube. Sie betrachten die Ausbreitung der Vernunft als "intellektuelle Invasion des westlichen Imperialismus", sie wenden sich gegen das (ursächlich aufklärerische) Prinzip des Zweifels und der Vermutung.

Matthias Küntzel ging dann noch auf historische Aspekte der Entstehung des Djihadismus ein, die in seinem Buch ausführlich dargelegt werden. Der aggressive Antisemitismus wurde erst durch die Moslembruderschaft im arabischen Raum verbreitet. Die ägyptische Bevölkerung war bis zum Propagandafeldzug der Islamisten seit 1936 den zahlreichen Juden im Land sehr positiv gesonnen.

Der Autor wies dann noch daraufhin, dass die Charta der Hamas von der Theorie der "jüdischen Weltverschwörung" ausgeht. Diese Charta, die im Westen beharrlich ignoriert wird, ist ein faschistisches Machwerk und stützt seine antisemitischen Tiraden auf die "Protokolle der Weisen von Zion".

Eindringlich forderte er die Linke dazu auf, nicht in Ehrfurcht vor einer Massenbewegung zu erstarren. Die Ursache dieses falschen Respekts liege in der Fehleinschätzung des NS durch die Komintern, die den Massencharakter des Faschismus leugnete.

Wir empfehlen das Buch zum Kauf, denn es bietet wichtige historische Informationen zum Thema und ermöglich eine fundierte Meinungsbildung.

In der anschließenden Diskussion vertrat der Referent die Ansicht, dass das irakische Regime gestürzt werden müsse, wobei er sich nicht für militärische Maßnahmen aussprach. Aus dem Publikum wurde widersprochen und der Einsatz aller möglichen Mittel zum Sturz des Regimes begrüßt, was der ganzen reaktionären Region einen demokratischen Impuls geben könne.(hs)

Redaktion Marxistische Kritik

[Artikel mit Informationen von einer Veranstaltung am 3.11. 02 in Jena zu seinem Buch "Djihad und Judenhass", kürzlich erschienen bei ca ira, 13 Euro]



 



 

home
Übersicht
Nahost