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Irak setzte Giftgas einBBC-Bericht durchbricht Schweigen über HalabjaSchlimme Folgen des Giftgaseinsatzes / Deutsche Verantwortungaus: Marxistische Kritik, Nr. 4, April 1998 Halabja / Nordirak (BBC-Report). - Über die Folgen des Giftgaseinsatzes der irakischen Luftwaffe gegen die kurdische Stadt Halabja im Norden des Landes wird die Weltöffentlichkeit noch immer im Dunkeln gelassen. Ein Team der BBC besuchte vor kurzem die Stadt. Die Ärzte und ein Fernsehteam waren unter dem Schutz der Demokratischen Union Kurdistans unterwegs. Der im folgenden zusammengefasste Bericht "Saddams Zeitbombe" wurde vom ZDF am 26.2.98 überraschend ins Programm genommen. Tausende fielen dem dreitägigen Gaseinsatz im Jahr 1988 zum Opfer. Männer, Frauen und Kinder wurden u.a. durch Senfgas hingemordet. Auch in die Keller zu flüchten hatte keinen Sinn - das Gas drang überall ein. Wer mit dem Gas in Berührung kam starb oder erkrankte. Die Wirkungen sind individuell verschieden, treffen aber die gesamte überlebende Bevölkerung. Sie leiden unter den verschiedensten Krankheiten und die ärztliche Hilfe ist spärlich und teuer. Eine britische Ärztin untersuchte hunderte von Kranken und musste schreckliche Feststellungen über die Spätfolgen des Giftgases treffen. Saddams chemische Zeitbombe tickt weiter: Kinder werden mongoloid, mit Hasenscharte oder mit Krebserkrankungen geboren. Sehr viele Kinder, mit steigender Tendenz leiden unter Krebserkrankungen. Diese Krebsart wird als besonders aggressiv beschrieben. Die Gesamtzahl der Menschen mit Krebs ist in Halabja um das fünffache höher als anderswo. Ärzte schneiden die Tumore heraus, die am ganzen Körper und manchmal auch im Gehirn auftreten. Es treten zahlreiche Krankheiten auf, darunter Herz- und Atmungserkrankungen. Ein Mann sagt: "Wir wurden als Versuchskaninchen missbraucht." Überlebende, die ihre Familien verloren oder gar sterben sahen, leiden unter psychischen Krankheiten. Den Ärzten ist nicht klar, wodurch die Psychosen ausgelöst wurden. Waren es die schrecklichen Erlebnisse die zum Trauma führten oder bewirkte das Nervengas die psychischen Erkrankungen - verstärkt sich beides gegenseitig? Zwei Frauen werden gezeigt, die apathisch im Bett liegen oder in der Ecke sitzen. Sie werden seit Jahren von Angehörigen versorgt, Besserung ist nicht festzustellen. Ein junger Mann, der vor dem Angriff gesund war, hat seither seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. Er versucht zu laufen und bricht immer wieder zusammen, seine Nerven sind schwer geschädigt. In Halabja hat jede/r zweite Probleme mit der Atmung. Das Gas hat die Lungen geschädigt. Eine Frau, die Kinder zu versorgen hat, atmet schwer und hustet. Viele Menschen leiden gleich an mehreren Krankheiten. Von 700 untersuchten Patienten wurden bei 500 Mehrfacherkrankungen festgestellt. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung wird, so sagen die Ärzte, von Tag zu Tag schlechter. Frauen und Männer sind unfruchtbar geworden. In der armseligen Krankenstation, wo die Kranken alle Medikamente selber zahlen müssen, wenn es welche gibt, gibt es nur noch Fehlgeburten. Kein einziges Kind kommt normal zur Welt. Viele sind genetisch missgebildet. Prof. Goston sagt: "Chemische Waffen zerstören künftige Generationen gleich mit." Die Ärzte vergleichen die Wirkung mit der atomarer Strahlung. Am Rande der Stadt sind die Massengräber. Das Grundwasser wurde durch die vergifteten Opfer ebenfalls verseucht. Die Natur der Umgebung wurde von den Giften ebenfalls betroffen. Eine Heuschreckenplage nach dem Gasangriff wird damit in Zusammenhang gebracht. Die Hülsen der Giftgasgranaten stammten aus der Sowjetunion. Das Giftgas selbst stellte der Irak mit Hilfe ausländischer Firmen her. Darunter befinden sich - soweit bekannt - mehrere deutsche Unternehmen. Wie es in dem BBC-Bericht hieß, ist den Vereinten Nationen genau bekannt, wer das Giftgas lieferte. Diese Informationen werden von der UNO - mit Rücksicht auf das betroffene Land (Deutschland!) - geheim gehalten. aus: Marxistische Kritik, Nr.4, APRIL 1998
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