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Deutscher Frieden 
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Kommando Sir Arthur Harris
Berlin, 11.2.03
Erklärung zur Pressekonferenz der Friedensbewegung zur Demonstration am 15.2.03

 

Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder

Ganz Deutschland ist für den Frieden. Die altehrwürdige Tante Tagesspiegel wird zum Mitteilungsblatt der Kriegsgegner, die Bundesregierung holt ihre Argumente aus dem Spiegel und umgekehrt, auf die moralischen Bodentruppen der Friedensbewegung kann sich der Außenminister voll und ganz verlassen, selbst die Wirtschaft fürchtet schlechte Geschäfte. - In Zeiten der Krise setzt man auch in der Berliner Republik die gute deutsche Tradition fort und kennt einmal mehr keine Parteien mehr. Es ist nicht nur die Liebe zum Giftgasonkel Saddam, die allerdings nicht unterschätzt werden sollte - schließlich setzte die deutsche Industrie kurz vor Verschärfung der Krise noch auf die Aufhebung der Sanktionen -, es ist ein kaum zu bändigender Hass auf die USA, die man aber nicht wegen der Dinge ablehnt, die sie unter Umständen so hassenswert machen wie jede andere bürgerliche Nation, sondern wegen der Dinge, die man hierzulande nie so richtig gelernt hat: den Kult des Individualismus, das an rationalen (z.B. wirtschaftlichen) Interessen orientierte Handeln, dass instrumentelle Verhältnis zur Politik und zum Staat.

Darin sind sich alle Deutschen einig, auch jene, die sich nicht gänzlich gegen ein militärisches Vorgehen gegen Saddam aussprechen. Die Arroganz der Amerikaner ist ihnen ein Dorn im Auge. Denn schließlich wissen die Deutschen aus eigener Erfahrung, wie es so ist mit dem Bombenkrieg: Auf einer Demonstration in Düren am 8.Februar wurde hinter dem provisorischen Rednerpult ein Transparent mit der Aufschrift "Wir in Düren haben den 16.November 1944 nicht vergessen!" hochgehalten, auch wenn man es nicht weiß, darf vermutet werden, dass an diesem 16.November alliierte Bomben auf Düren trafen. Im Unterschied zur deutschen Bevölkerung, deren Durchhaltewillen den Bombenkrieg erst notwendig machte, ist die irakische Bevölkerung jedoch tatsächlich Opfer Saddams; die Deutschen, auch wenn sie es nun wieder behaupten waren keine Opfer Hitlers.

Aber die Vergangenheit hat diese Friedensbewegung restlos eingeholt. Gerade konnte bei der Demonstration gegen die Sicherheitstagung in München auf Beschluss des Vorbereitungsgremiums noch das Tragen von Nationalfahnen verhindert werden, nachdem irakische und palästinensische Fahnen zum Symbol der deutschen Friedensfreunde zu werden drohten, da zeigt auch schon ein Transparent auf eben jener Demonstration am vergangenen Samstag die Konterfeis von Adolf Hitler und George Bush und die Aufschrift "Club der Weltverbesserer", während eine Antikriegsdemonstrantin auf der Montagsdemo in Berlin am 3.Februar mit dem Schild "Däubler-Gmelin hatte Recht!" auf den gleichen Zusammenhang hinweisen wollte - auf die Gleichsetzung von Schnauzbartträgern reagiert man in der Friedensbewegung jedoch allergisch. Stattdessen will man deutsche Antworten auf deutsche Fragen wie "Heute Irak, Iran, Korea, morgen Deutschland?" in Lüneburg oder "Wie viele tote Kinder ist ein Diktator wert?" in München. In Lüneburg fasste man die gesammelten deutschen Erkenntnisse zum Thema Krieg in der Feststellung zusammen "Es hat nie einen gerechten Krieg gegeben", um mit der Beschwörung "Mach dich davon, ölfressender Dämon" gleichsam einen Beitrag zur unendlichen Sammlung politisch-romantischer Lyrik zu liefern.

Die Demonstrationen vom 7. und 8.Februar waren aller Wahrscheinlichkeit nach nur ein fader Vorgeschmack auf das was, was Berlin am 15.Februar zu erwarten hat - nicht nur weil sich zu allem Überfluss noch Paddy Kelly von der gleichnamigen Family angesagt hat. Deutsche Friedenssehnsucht ist ohne Opfermythos undenkbar; so werden die Bomben, die wahrscheinlich demnächst Bagdad und andere irakische Städte treffen werden, in Wirklichkeit die Deutschen meinen. Und die sind schon jetzt ganz retraumatisiert. Wie Gaffer beim Autounfall sieht man genau hin, ob Blut fließt, um sich dann angewidert und betroffen abwenden zu können. Die irakischen Zivilisten, die mit Sicherheit unter den Opfern der US-Intervention sein werden, sind diesen Deutschen genauso gleichgültig wie dem irakischen Diktator. Es geht um sie selbst und ihre Psychohygiene. Denn außer für Saddam selbst zeigen die Deutschen für die Iraker wenig Mitleid, sonst wäre ihnen aufgegangen, dass die Bevölkerung dort beileibe nicht nur unter dem Embargo zu leiden hat, das übrigens jene Friedensfreunde, die 1991 gegen den Krieg auf die Straße gingen, gefordert hatten.

Und was eigentlich soll man von diesen Leuten halten, die anlässlich des Massakers vom 11.September 2001 nichts besseres zu tun hatten, als darauf hinzuweisen, wie lächerlich gering die Zahl der Opfer im Vergleich zu den täglich an Hunger Sterbenden sei, und die nun ankündigen, um jedes Opfer zutrauern? Von Leuten, denen jede Antikriegsaktivität wie von selbst zur antisemitischen Manifestation gerät, wie die attac-Tournee im Januar und die angesichts israelischer Opfer von Selbstmordattentätern nur ein hämisches "selber Schuld" verlauten lassen?

Ihr Frieden ist nur ein anderer Krieg: der gegen die USA und, solange der noch keine Erfolgsausichten hat, der gegen Israel.

NO PEACE FOR SADDAM!
FIGHT OLD EUROPE!

Kommando Sir Arthur Harris
Berlin, 11.Februar 2003

 

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