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Globalisierung von unten 
August 2001kontakt@okf-sued.de

Rezension:

Maria Mies: Globalisierung von unten

Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne

Rotbuch Verlag, Hamburg 2001
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Wirtschaftsliberale Ideologien und Praktiken haben in den letzten beiden Jahrzehnten weltweit die Oberhand bekommen. Ausgeklügelt wurde diese Variation des kapitalistischen Wirtschaftsmodells schon seit Beginn der siebziger Jahre in konservativen Denkfabriken und Theoriezirkeln. Umgesetzt wurde es zuerst von bürgerlichen und später auch von sozialdemokratischen Politikern. Der Neoliberalismus behauptet von sich frech, keine "Ideologie" zu sein, doch in Wahrheit ist er zur bestimmenden Ideologie, zum ideellen Modell des aktuellen Kapitalismus (Imperialismus) geworden.

"There is no Alternative" (TINA) lautete das von Margaret Thatcher ausgesprochene Credo der Neoliberalen. Unter dem "TINA"-Motto führte Thatcher seit 1979 in Britannien eine neoliberale Wirtschaftspolitik ein und hat seitdem viele Nachahmer gefunden. Maria Mies schreibt in ihrem Buch "Globalisierung von unten", dass heute "die meisten Menschen in den reichen Ländern unter dem 'TINA'-Syndrom leiden." Denn "sie sehen keine Alternative und passen sich - hilflos - den neuen Verhältnissen an, selbst wenn das an Selbstaufgabe grenzt." Mies schreibt: da die Medien in der Bundesrepublik sich nicht gegen die neoliberale Globalisierung wenden (außer Le Monde Diplomatique/mtl. Taz-Beilage), sei es nötig, das Schweigen durch Information zu brechen.

In der Tat ist das Buch sehr informativ und lässt sich flüssig lesen. Es ist zwar nicht spannend - wer will das von einem Sachbuch erwarten - doch die Entwicklung und Beweggründe dieser neuen weltweiten Bewegung nachzuverfolgen ist schon sehr interessant. Gewürzt mit vielen Einzelheiten und Detailwissen niedergeschrieben von jemandem, der die Bewegung und ihre WortführerInnen kennt, wird erklärt, wie es zu den Protesten Seattle kam und was daraus für Inspirationen erwachsen sind.

In Seattle hatte sich ein buntes Bündnis von Leuten zusammengefunden, die "vorher nicht einmal in den gleichen Raum gegangen wären, es sei denn, um einander anzuschreien" (S.46) zitiert Maria Mies den Aktivisten Dolan. Stahlarbeiter und Umweltschützer haben eine Allianz für dauerhafte Jobs und die Umwelt gebildet. In den USA ist die Stimmung umgeschlagen. Es wurden neue Gruppen, Bündnisse und Netzwerke gebildet, denn es gibt inzwischen junge Menschen wie Juliette Beck, die sagen: "Ich denke, viele Leute in meiner Generation - nicht die Mehrheit vielleicht, aber viele - fühlen diese Leere. Wir fühlen, dass der Kapitalismus und das Kaufen von all diesen Sachen uns einfach keine Erfüllung bringt. Punkt."

In den Augen der Öffentlichkeit, auch der linken in der BRD, war Seattle ein Anfang, vielleicht der "Anfang einer neuen, weltweiten Demokratiebewegung von unten". Doch tatsächlich waren umfangreiche, langwierige Planungen und Vorbereitungen eine Bedingung für den Erfolg die WTO-Tagung zum Platzen zu bringen.

Es kam in Seattle zu keiner Vereinbarung und die Tagung endete frühzeitig ohne jedes Kommunique. Der erfolgreiche Kampf gegen das MAI war ein wichtiger Teil der vorangegangenen Entwicklung, denn das Scheitern des MAI zeigte, dass Erfolge möglich sind.

Maria Mies will informieren, aufklären und ihr Anliegen ist eine Ermutigung. Die internationale Bewegung kann uns zeigen, "dass es möglich ist, sich mit Erfolg gegen ein System zu wehren, das die Grundlagen des Lebens auf diesem Planeten zerstört."

In dem Buch wird auch deutlich, warum der heute von den Bürgermedien gebrauchte Begriff "Globalisierungsgegner" völlig falsch und daneben ist. Die kapitalistische und neoliberale Globalisierung gilt es zu bekämpfen, ihr eine Globalisierung von unten entgegenzusetzen.

Maria Mies geht über die begrenzten Forderungen etwa von "Attac" hinaus, sie wendet sich gegen die Konzerne, den IWF, die Weltbank und die WTO. Damit die Ermutigung zum Widerstand wirkt, ist dem Buch Erfolg zu wünschen, denn es bietet viele Fakten, ein gute historische Darstellung, zahlreiche Dokumente und Kontaktadressen, was es zu einem nützlichen Handbuch für die entstehende demokratische und hoffentlich antikapitalistische Bewegung macht.
(aus: mak 14)

Maria Mies: Globalisierung von unten - Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne, Rotbuch Verlag 2001

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