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| Dezember 2001 | kontakt@okf-sued.de |
Religiöser Wahn - Krieg - TerrorDer Anschlag auf das WTC und der Krieg in AfghanistanVon Heribert Sommer
1. Worum es gehtDer Krieg gegen die Taliban-Theokratie und die Terroristenlager in Afghanistan hat in der Linken Widersprüche offenbart und Streit ausgelöst. Philosophische VorbemerkungBei der Gewinnung einer politischen Position ist die philosophische Methode, die angewandt wird von größter Bedeutung. D.h. es ist entscheidend, wie die meinungsbildende Person zu ihrem Urteil kommt. Als Kenner Ludwig Feuerbachs bin ich von dessen humanistischem Materialismus genauso beeinflusst, wie es Marx und viele SozialistInnen seiner Zeit waren. Meine Methode ist also nicht die der Anwendung bestimmter Begriffe und Dogmen (Idealismus), sondern der Versuch einen historischen und klassenpolitischen Maßstab an die Dinge zu legen. Die in der Linken aufgebrochenen Widersprüche zeugen nicht unbedingt davon, dass es unterschiedliche Ziele gibt, auch wenn ich das heute nicht mehr ausschließen kann. Es klaffen Wider- sprüche zwischen den Positionen und den Realitäten und es werden Tatsachen ausgeblendet, was zu Einseitigkeiten führt. Als Beispiel möchte ich von einem Treffen der Freidenker in Coburg berichten, bei dem der anwesende Landessprecher des Freidenker Verbands Bayern einleitend auch auf den Krieg in Afghanistan zu sprechen kam. Er verurteilte die "US-Aggression" und redete etwa eine viertel Stunde über die Verletzung des Friedens durch die USA und über Erdöl-Interessen in der Region. Erstaunlich war, dass er, obwohl die Freidenker doch ein atheistischer Verband sind, nicht ein einziges Wort über den Islamismus, über den religiösen Wahn und den Terror gegen die USA verlor. (Was ich dann aber nachholte.) Einseitige Beurteilungen führen nicht zur einer realen Erkenntnis. Wer sich am Marxismus orientiert und seine Methodik anwendet, der versucht materialistisch an die Dinge heranzugehen. Materielle Beurteilung bedeutet aber nicht allein die ökonomischen Interessen zu erkennen - das ist aber die (seit Stalin) übliche verkürzte ökonomistisch-mechanistische Sicht auf die Dinge in der Welt. Die Tatsache, dass die Menschen selbst, ihre Bewegungen, Organisationen, allgemein gesprochen die Kräfteverhältnisse, einen wesentlichen Teil der materiellen Realität bilden, wird oft übersehen. Es sind also, um zu einer allseitigen Betrachtung und Beurteilung zu kommen, alle wesentlichen gesellschaftlichen Kräfte einzuschätzen und zu bewerten. Das bedeutet, dass bei einer Analyse auch die Beweggründe der beteiligten Menschen, Staaten und sozialen Kräfte einzuschätzen sind. 2. Der Islamismus und der Anschlag auf das WTCIn Berlin, so habe ich per eMail von einem Genossen erfahren, hat es am 11.September in einer linken Kneipe ein Freudenfest über die terroristischen Anschläge gegeben. Ein empörender Vorfall, der ein Schlaglicht auf die Deformiertheit der Altlinken in der BRD wirft. Den Stalinismus, den manche nicht glauben kritisieren zu müssen, will ich hier gleich als ursächlich für diese geistige Deformation nennen. Die Terrorserie des 11.September war ein barbarischer Akt fanatischer Islamisten. Es war auch ein antisemitischer Terrorakt, denn er richtete sich gegen die weltoffene Metropole New York. Die islamistischen Verursacher der Attacken sind Vertreter eines eliminatorischen Antisemitismus, sie bekämpfen mit ihrem "Heiligen Krieg" ein jüdisches Prinzip, wie sie selbst sagen, dieses sehen sie (beispielsweise) in der kulturellen Offenheit New Yorks verkörpert. Die Ermordung tausender Menschen in zwei riesigen Bürogebäuden hat nichts fortschritt- liches, im Gegenteil es ist eine Aktion, die die niedrigen Beweggründe der handelnden Personen deutlich entlarvt. Bloßen Terror, Angst und Vernichtung zu verbreiten, das sind auch die Beweggründe der ideologischen Ziehväter, Hintermänner und Finanziers dieses islamistischen Terrorismus. Die Verfaultheit eines Antiimperialismus, der noch irgendeinen Rechtfertigungsgrund für diese Form des organisierten Terrors sucht, ist unübersehbar. Die Ermordung tausender Werktätiger und Kapitalisten, der Angriff auf ein vermeintliches Symbol des US-Kapitalismus, hat weder etwas aufklärerisches noch sollte er bei fortschritt-
lichen, aufgeklärten Menschen irgendeine Form des Verständnisses erheischen. Es sei denn in Unkenntnis der Motive und Absichten der Täter. Dem terroristischen Islamismus gilt ein Menschenleben nichts, diese Menschen, besser diese Männer, erniedrigen sich vor ihrem Gott bis zur Selbstverleugnung. Sie haben sich in sich selbst vertieft, nicht bemerkend, dass der Gott nichts äußerliches ist, nichts äußerliches sein kann und einen menschenverachtenden Fanatismus aufgebaut, der den eigenen Tod und den vieler anderer um des heiligen Jihad Willen fordert. Es ist nicht klar, ob alle Terroristen wussten was die Anführer, die Flugzeugführer vorhatten. Jedenfalls wurden die Anschläge jahrelang minutiös vorbereitet und planmäßig umgesetzt. Es handelte sich eben nicht um "individuellen Terror", wie Klaus Hartmann von den Freidenkern in einem Flugblatt schrieb. Dahinter steckte eine weitverzweigte Organisation. Die Verbindungen zur Moslembruderschaft im Ägypten und zu den Ausbildungslagern in Afghanistan sind eindeutig nachgewiesen. Die führenden Attentäter hatten vereinzelt von ihren Ausbildungen in den al-Qaida-Lagern erzählt. Die al-Qaida-Lager werden auch Jihad-Universitäten genannt. Lehrgänge in diesen Ausbildungen waren: wie setze ich Giftgas ein, wie töte ich jemanden in der Großstadt, wie arbeite ich konspirativ, usw. usf.. Ehemalige Kapitäne der afghanischen Fluggesellschaft wurden von den Taliban gezwungen, Terroristen in der Führung von Passagierflugzeugen auszubilden. Der hier kritisierte Islamismus wird von Saudi Arabien aus seit vielen Jahren unterstützt. In einer Art Ablasshandlung zahlen Angehörige der Ölmilliardäre, die sich mit dem "gottlosen Westen" eingelassen haben, große Summen an Leute wie Bin Laden oder andere Terroristen. Die fanatisch-religiöse Lehre dieser Leute geht auf den Wahabismus zurück, der in Saudi Arabien Staatsreligion ist. Der terroristische Islamismus ist also kein Produkt der Armut in der Dritten Welt - ganz im Gegenteil, er wird von den reichsten Kapitalisten unterstützt und gefördert. Das Taliban-Regime erhielt die tatkräftigste Unterstützung - außer aus Pakistan - aus Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten - die einzigen drei Staaten, die das Taliban-Regime anerkannt hatten. Der Anschlag auf das WTC war bereits der zweite dieser Art. Schon 1993 hatten Islamisten versucht, durch eine riesige Bombe im Keller des einen WTC-Turms diesen auf den anderen umstürzen zu lassen. Dagegen waren die USA mit polizeilichen und juristischen Mitteln vorgegangen. In den 90er Jahren gab es zahlreiche Anschläge auch mit vielen Toten auf das US-Militär, das in der Wüste Saudi Arabiens stationiert ist. 1996 wurden zwei US-Botschaften in Afrika mit riesigen Bomben angegriffen, was viele Tote und tausende Verletzte forderte. 1998 wurde ein US-Kriegsschiff im Jemen mit einer Bombe torpediert, was zu dreizehn Toten führte. Es gab vor einigen Jahren schon einmal einen Versuch mit mehreren Flugzeugen die USA anzugreifen, was aber aufgedeckt wurde und verhindert werden konnte. Dies soll nur zeigen, dass die Terroranschläge vom 11. September in einer Eskalationsreihe mit zahlreichen anderen islamistischen Attacken stehen. 3. Was war die Ursache des Krieges in AfghanistanMan darf die Augen nicht davor verschließen: die Ursache war die Herausforderung, der sich die USA stellen mussten. Linke Kommentatoren haben nicht lange gebraucht, die USA selbst verantwortlich zu machen und nicht ansatzweise begriffen, worin die Verantwortung der USA tatsächlich bestand. Die USA konnten die Angriffe vom 11.September nicht unbeantwortet lassen. Das war klar und doch war ihre Reaktion überlegt und zielgerichtet. Die USA haben die Herausforderung angenommen, die durch die Eskalationsstrategie der al-Qaida provoziert wurde. Jahrelang haben die USA und hat die Weltöffentlichkeit die Terrorlager in Afghanistan geduldet. Zwar forderte auch die UNO das Taliban-Regime schon im Jahr 2000 auf, Bin Laden auszuliefern, aber der war mit dem Regime aufs engste verwoben, er war der Militärchef seiner al-Qaida-Milizen, deren Bedeutung für das Taliban-Regime heute allseits bekannt sein dürfte. Zu Beginn des Krieges, der das Ende des seit zehn Jahren andauernden afghanischen Bürgerkriegs einleiten sollte, wurden Kriegsziele festgelegt: u.a. Zerstörung der Terrorlager und Herausbildung einer Opposition gegen die Taliban. Die Taliban zu beseitigen war kein formuliertes Kriegsziel der USA, es zeigte sich aber, dass nur durch den Sturz der Koranschüler die Terrorbasis Afghanistan zerstört werden konnte. Über den schnellen Fortgang waren alle überrascht, die Behauptungen der Friedensstrategen, das Bombardement ließe die Taliban unberührt, haben sich als kurzlebige Spekulationen erwiesen. Dies zeugte nur davon, dass die Kriegsmaschinerie der USA wohl unterschätzt und die Haltung der Menschen in Afghanistan zu den Taliban völlig falsch eingeschätzt wurde. 4. Der Charakter der TalibanDie Haltung zum Krieg der Briten, der USA und der Nordallianz in Afghanistan hängt in gewissem Maße davon ab, wie man die Koranschüler der Taliban und den islamistischen Terrorismus einschätzt. Beides ist eng miteinander verstrickt und hängt zusammen. Wie jüngst in Kabul gefundene Dokumente zeigen, fand die Zerstörung der buddhistischen Kulturdenkmäler in Afghanistan auf den Befehl Bin Ladens hin statt. Der bewaffnete Gast Bin Laden war ein, vielleicht der Militärchef der Taliban. Die folgende Untersuchung geht deshalb von einer direkten Verwobenheit von Taliban und al-Qaida aus. Diese Sichtweise wird durch die in den letzten Kämpfen auffällig gewordene große Bedeutung der ausländischen Bin Laden-Milizen für die Taliban-Herrschaft bestätigt. Der historische Vergleich soll Analogien greifbar machen, die sicher auch auf andere islamistische Gruppen zutreffen. Die Taliban haben gezeigt, was den Menschen blüht, wenn die Islamisten an die Macht kommen. Es ist von entscheidender Bedeutung den Charakter der Taliban-Herrschaft genauer zu bestimmen und zu benennen, um eine falsche Solidarisierung zu vermeiden. Erst eine Charakterisierung der Taliban ermöglicht es auch, die Unterschiede zu anderen islamischen Milizen (Mudjahedin, u.a.) zu erkennen. Der Unterschied wirkt sich auf das Leben der Menschen in Afghanistan aus. Es ist Ausdruck einer westlichen Metropolen-Arroganz Unterschiede in den Freiheitsrechten aus bestimmten Motiven zu übersehen. Ein bestimmtes Motiv in diesem Zusammenhang ist der als Antiimperialismus auftretende Antiamerikanismus. Das weiter gegen die reaktionären Mudjahedin gekämpft werden muss, muss aber hier betont werden! Ähnlichkeiten und Unterschiede zum deutschen FaschismusOberflächlich betrachtet, von der äußeren Erscheinungsform her, sind die streng uniformierten, deutschen Stiefelfaschisten der NSDAP mit den bärtigen Schwarzturbanen der islamischen Korankrieger kaum zu vergleichen. Eine nähere Betrachtung bringt jedoch insbesondere im Bereich der Ideologie deutliche Ähnlichkeiten zu Tage. I.SozialstrukturDie Sozialstruktur der Taliban ist nicht einheitlich, denn die "Koranschüler" (="Taliban" oder "Taleban") setzten sich aus mindestens vier verschiedenen Teilen zusammen.
Zum einen sind da die in Pakistan aufgewachsenen Koranschüler, die von Kindesbeinen an auf den Heiligen Krieg getrimmt wurden. Ihre gesamte Ausbildung war auf diese Kriegführung und den Koran ausgerichtet. Auf Allgemeinbildung wurde verzichtet, die Lehrer selbst hatten weder wissenschaftliche, mathematische oder historische Kenntnisse.1 Unter diesen Koranschülern sind auch viele Kriegsweisen, die ganz ohne Frauen aufgewachsen sind und schon früh in die Fänge der Islamisten gerieten. Zum Kern der Taliban zählen heute auch die arabischen Milizen, die von al-Qaida in den verschiedenen Lagern des Landes ausgebildet wurden. Einige kamen ursprünglich nach Afghanistan, um gegen die Sowjetarmee zu kämpfen. Sie sind bis heute als Söldner geblieben. Heute führen sie den Kampf gegen die USA weiter. Viele andere wurden jahrelang weltweit auch bei Werbeveranstaltungen angeworben. Die Taliban schickten dazu Gesandte in alle Welt, die ein Loblied auf Bin Laden und den "heiligen Krieg" sangen, wie z.B. TV-Berichte über Auftritte eines Taliban-Ministers in Hamburg zeigen. Unter den arabischen Söldnern sind zahlreiche Angehörige aus den Mittelschichten der arabischen Welt (Saudi Arabien, Jemen, Pakistan). Hinzu kommen Deklassierte aus den Unterschichten, was ebenfalls ein Merkmal des deutschen Faschismus war. Außerdem wurden in Afghanistan ehemalige Mudjahedin und andere Reaktionäre und Söldner angeworben. Feudale Clansführer schlossen sich den Taliban an oder duldeten sie. Örtlich soll es aber immer doppelte Strukturen gegeben haben, die regionalen Taliban und die ausländische al-Qaida. II. NationDie Taliban strebten nicht nach einer nationalen Einheit Afghanistans. Sie gehören selbst - soweit sie nicht Araber sind - vor allem der paschtunischen Volksgruppe (Afghanen und Pakistani) - an. Wie jüngste Berichte besagen, wurde erst unter der Taliban-Herrschaft ein völkischer "Unterschied" zwischen den Menschen in Afghanistan betont. Traditionell spielte die Zugehörigkeit zu Volksgruppen keine große Rolle. Das Bekenntnis zu Afghanistan, bzw. Afghane zu sein ist überall verbreitet. Es gibt ein "Nationalbewusstsein". Die Taliban schürten entgegen diesem Denken den Hass auf nichtpaschtunische Volksgruppen. Sie verübten auch Massaker - z.B. an Herazas.2 III. ÖkonomieÖkonomisch ist der Vergleich mit den deutschen Faschisten nicht möglich. Während Deutschland ein entwickeltes kapitalistisches Land war, ist Afghanistan ein unterentwickeltes vom Bürgerkrieg zerstörtes Land. Die in den siebziger Jahren entstandene Ökonomie wurde in den Bürgerkriegen seit 1980 immer weiter zerstört. Es gibt Berichte, dass die Taliban Industrieanlagen demontierten und nach Pakistan verkauften. IV. Historische RegressionBislang wird der deutsche Faschismus noch zuwenig unter dem Aspekt kritisiert, dass es sich um eine historische Regression handelte. Darunter versteht man den Rückfall auf eine überwunden geglaubte frühere historische Stufe. Man spricht häufiger auch von Atavismus, der Rückfall ist also atavistisch. Nur einen zentralen Bereich herangezogen, lässt sich die gesellschaftliche Regression des deutschen Faschismus anschaulich machen. Im Kapitalismus wurde aus den enteigneten Bauern eine Lohnarbeiterklasse, die frei von Produktionsmitteln, aber auch frei war ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Karl Marx sprach vom "doppelt freien Lohnarbeiter". Im Gegensatz zum Sklaven, der sich nicht selbst gehört, kann der Arbeiter im Kapitalismus sein Lohnarbeitsverhältnis aufgeben. Unter der Herrschaft der Nazis wurde dieses Verhältnisses jedoch verändert. Es wurden Millionen von Menschen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Insgesamt waren es etwa 12 Millionen Menschen, die in der Landwirtschaft und in der Industrie als Arbeitssklaven eingesetzt wurden. Sie erhielten keinen Lohn, wurden gezüchtigt, nur notdürftig versorgt und starben häufig an den Folgen der ungezügelten Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Die meisten Industriebetriebe hatten Sklavenarbeiter bei der SS angefordert, die in den faschistisch besetzten Gebieten Europas gekidnappt und verschleppt wurden. Zusätzlich wurde in den Konzentrationslagern eine Vernichtung durch Arbeit betrieben, die eine absolut extreme Form der Sklaverei war. Die deutschen Arbeiter in Deutschland waren aber auch nicht mehr frei in ihrer Arbeitsplatzwahl. Viele Frauen wurden dienstverpflichtet und wer nicht an die Front eingezogen wurde, der war "u.k." gestellt. Die Lohnarbeit war also der Militarisierung der Gesellschaft unterworfen und die (Kriegs-)Ökonomie stützte sich auf den unerlässliche Sklavenarbeit von Millionen. Diese deutsch-faschistische Sklavenökonomie nenne ich eine Form der historischen Regression, es war in gewissen Sinne ein Rückfall auf eine schon überwunden geglaubte Entwicklungsstufe der Menschheit, aber auf höherer (industriellem) Produktionsstufe. Die von den Taliban in Afghanistan eingeleitete historische Regression erstreckte sich auf alle Bereiche des Lebens. Die Koran-Diktatur der Talib zwang alle kulturelle Lebensäußerung in die Illegalität oder in die versteckte Privatheit. Es handelte es sich um eine regressive Unterdrückung der Frau, denen alle Rechte genommen wurden und um eine allumfassende rechtliche Regression. Die Regression umfasste auch die Ökonomie: es wurde kein Wiederaufbau des im Bürgerkrieg zerstörten Landes betrieben, neu gebaut wurden nur Moscheen, denn die Taliban sahen sich sozusagen nur "auf der Durchreise" zu ihrem verehrten Gott Allah. Die Regression wurde bis auf eine barbarische Stufe getrieben, weshalb die Bezeichnung "mittelalterlich" genaugenommen nicht zutreffend ist, denn im europäischen Mittelalter war Musik nicht verboten. Friedrich Engels schreibt, mit Bezug auf Fourier: "Er sprach es zuerst aus, dass in einer gegebenen Gesellschaft der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation ist."3 V. IdeologieAm deutlichsten wird der faschistische Charakter der Taliban-Herrschaft bei der Betrachtung der Ideologie dieser Islam-Fanatiker. Wie der Vergleich mit den Nazis im einzelnen belegt, gleichen sich die Ideologien in ihren Feindbildern und kriegerischen Zielsetzungen bis aufs Haar. Die unterschiedliche organisatorische Umsetzung hat mit der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe zu tun. (Clansgesellschaft bzw. imperialistische Klassengesellschaft) Der Islam ist keine friedfertige Religion, wie beflissene Gutgläubige versuchen der Öffentlichkeit zu suggerieren. Zahlreiche blutrünstige Textabschnitte (Suren) im Koran, die fordern, die Ungläubigen mit heißem Wasser zu übergießen oder durch andere grausame Torturen zu ermorden widerlegen die Gutgläubigen.4 Der heutige Islam ist zuerst einmal eine antisemitische Ideologie. Das war nicht immer so, steht heute aber im Zentrum vieler hetzerischer Reden in den Moscheen in aller Welt. Die Aufrufe "alle Juden und alle Amerikaner" zu töten sind nicht nur in Palästina zu hören, man kann sie in vielen Moscheen der Welt hören, was auch bedeutet, das eine klare Abgrenzung zwischen Islam und Islamismus schwer möglich ist. Der Islamismus tritt als der wahre Islam auf und wird den gläubigen Männern so in Moscheen gepredigt. Hinzu kommt, das die Prediger selbst ein politisches Mandat beanspruchen, die Religion also keine Sache des Geistes allein ist. Der "heilige Krieg" gegen die Ungläubigen, was bei den intoleranten Moslems auch heißt, gegen alle Andersgläubigen, ist längst ausgerufen. Die Islamisten, wovon die Taliban nur eine Sorte sind, haben sich die Vernichtung der als Feind auserkorenen westlichen Welt und speziell der Juden zum Ziel gesetzt. Das ist auch schon das einzige bekannte Ziel. Positive Ziele, die etwa auf die Verbesserung der Lebenslage der Menschen abzielen, sind nicht bekannt. Der deutsche Faschismus hatte als Ziel die Vernichtung der Juden in Europa und hat dieses eliminatorische Ziel an Millionen Menschen umgesetzt. Erstmals seit dem deutschen Faschismus betritt mit dem Islamismus eine antisemitische Bewegung die Weltbühne, die sich erneut die Vernichtung der Juden zum Ziel gesetzt hat. Wie Ostensacken / Uwer schreiben5 hat die von Bin Laden gegründete "Islamic Struggle Front" es sich zum Ziel gesetzt "das jüdische Prinzip" zu bekämpfen. Daraus leiten die al-Qaida - Theoretiker die Tötung von Amerikanern als höchste Pflicht ab. "Amerikaner gelten nicht mehr nur als Unterstützer des verhassten jüdischen Prinzips einer abstrakten Weltherrschaft identifiziert. Nur ein globaler, selbst auf Weltherrschaft zielender Krieg, in dem der Islam sich als Avantgarde der von den Juden Unterdrückten und Ausgebeuteten versteht, kann dieses Übel aus der Welt räumen."6 Die Islamisten in Afghanistan, die von den USA gepäppelt worden waren, schöpften ihre Kraft auch aus dem erfolgreichen Kampf gegen die Sowjetunion. Zwar ist es ihnen nur mit Hilfe anderer Ungläubiger gelungen, die Rote Armee zu vertreiben, doch für die fanatischen Taliban, die auch von den USA unterstützt wurden, war dies kein Grund den Jihad zu beenden. Der verstärkte Einfluss der Bin-Laden-al-Qaida ist auch am zunehmenden Antiamerikanismus dieser Fanatiker anschaulich geworden. Die dreifache Stoßrichtung gegen die Juden, gegen den Kommunismus/Stalinismus und gegen den westlichen Kapitalismus ist eine besonders auffällige und bedeutende Gemeinsamkeit, die Nazis und die Taliban /al-Qaida-Islamisten ideologisch verbindet. Dies ist der Kern warum es richtig, ja zwingend ist, diese Banditen als faschistisch zu bezeichnen. Um absehbaren Einwänden vorzubeugen: Der Vergleich verharmlost die Shoah nicht annähernd, sondern nimmt sie zutiefst ernst, so wie die Todesdrohungen der Terroristen zutiefst ernst genommen werden müssen. Heute kann niemand mehr behaupten, dass die islamistischen Faschisten davor zurückschrecken würden in ihrem Besitz befindliche Giftgas- oder Atomwaffen auch einzusetzen. Es sei zudem daran erinnert, dass der Begriff Faschismus berechtigterweise für verschiedene Erscheinungen und Bewegungen angewandt wurde, wobei es unterschiedliche Ausformungen dieser terroristischen Ideologie und Herrschaftsform gab und gibt. Die antizivilisatorische Ausrichtung der Taliban ist an ihrer Herrschaftspraxis klar abzulesen. Ihr Ziel bestand darin die Analphabetenrate zu erhöhen - bei den Frauen auf hundert Prozent zu erhöhen. Die männlichen Schüler sollten zwar lesen lernen, aber ihr wichtigstes/einziges Buch wäre doch nur der Koran und der ständige Aufruf zum "heiligen Krieg". Die Gewalttätigkeit war im Alltag auch an den in den Straßen hängenden Leichen Hingerichteter oder an den öffentlichen Hinrichtungen im Fußballstadion abzulesen. Fußballspiele wurden zur Durchführung von Hinrichtungen unterbrochen! Das Antizivilisatorische der deutschen Nazis lässt sich an der ständigen Überwachung der Gesellschaft mit einem ausgeklügelten Spitzelsystem, einer Gestapo-Folterpraxis, verlogenen, gleichgeschalteten Hetzmedien und militärischem Drill in allen Lebensbereichen erläutern (von der Hitlerjugend bis zur Wehrmacht). Dem deutschen Rassismus wurde in der Tabelle die absolute Frauenfeindlichkeit gleichgestellt. Die Frauenfeindlichkeit ist die erste Form des Rassismus.7 Menschen aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften zu erniedrigen, zu verfolgen und zu unterdrücken, das ist der Grundtypus des Rassismus. Die monotheistischen Religionen sind patriarchalisch. Sie sind Männerreligionen. Der Prophet oder der Gottessohn sind Männer. Der Gott ist deshalb auch ein Mann und entspricht so dem Ebenbild dessen, der sich den Gott einbildet.8 Für das Christentum und den Islam könnte man verkürzt sagen: Der Mann schuf sich Gott nach seinem Bilde. Der Rassismus ist übrigens ebenfalls ein religiöser Abkömmling: es war die katholische Kirche, die die Unterdrückung und Ermordung der Eingeborenen im "entdeckten" Amerika ideologisch, also rassistisch rechtfertigte, ebenso wie die Verschleppung der afrikanischen Sklaven nach Amerika. Das der Islamismus eine absolute Gläubigkeitsideologie ist, bedarf nicht des Belegs im Detail. Die Taliban-Theokratie als Ganzes steht als Beweis. Die faschistische Ideologie, war wie das Christentum, eine "Heilslehre". Sie versprach die Aufhebung des Kapitalismus und der Klassen in der Volksgemeinschaft, dazu bedurfte es - angesichts der Realität - eines großen Glaubens. Das ganze Nazi-System baute auf den Glauben an den Führer Hitler, der durch einen idealistischen Glaubensatz an Volk und Vaterland, an zwei weitere streng idealistische Kategorien, gebunden war. Antidemokratisch waren die Nazis, weil sie zuerst das Parlament und alle anderen Parteien zerschlagen bzw. aufgesogen hatten. Die Gleichschaltung war total. Die bürgerliche Demokratie war vernichtet. Die Herrschaft der Taliban war eine feudale Diktatur (islamisches Emirat), die sich auf die Clansgesellschaft stützte. Der Antiamerikanismus der Islamisten wurde schon ausgeführt. Die deutschen Faschisten verboten die Formen und Inhalte westlicher Kultur. (z.B.: Jazz, Swing, westliche Literatur, Kleidung, Mode etc.) VI. HerrschaftsstrukturDas Nazireich war eine Partei- und Führerdiktatur, in der die Bevölkerung mit harter Polizeigewalt und unter der Drohung mit KZ für jegliche Opposition lebte. Die Taliban-Herrschaft war ein feudales Emirat (Fürstentum), eine Religionsdiktatur (Theokratie), die die gesamte Bevölkerung einem strengen religiösen Regiment unterwarf. Die Religionspolizei wachte auf den Straßen über die Einhaltung der Regeln. Beide Regimes waren also Terrordiktaturen. Der folgende Punkt bedürfte einer genaueren Ausführung, weshalb auf weiterführende Literatur verwiesen werden muss.9 Der deutsche Faschismus wurde von August Thalheimer und Leo Trotzki als bonapartistisch charakterisiert. Darunter versteht man eine Stellvertreterherrschaft. Das Regime stützt sich auf eine bestimmte gesellschaftliche Klasse oder Schicht, an deren Stelle die Staatsgewalt ausgeübt wird. Die kleinbürgerlich dominierte NSDAP/SA/SS kam gestützt auf die Bourgeoisie (nicht nur die Großbourgeoisie) an die Macht. Die Naziherrschaft war in diesem Sinne eine bonapartistische Herrschaft für das große und kleine Kapital. Der Stellvertreterherrschaft der Taliban lässt sich leicht belegen. Wie immer deutlicher wird lag das Hauptgewicht innerhalb des Taliban-Regimes auf Seiten der ausländischen Islamisten. Darunter viele Araber und Pakistani. Sie herrschten sozusagen stellvertretend für die paschtunischen Clansführer, die mit ihnen verbündet waren. Das diese Stellvertreterherrschaft eine Fremdherrschaft war, lässt sich daraus ersehen, dass die Bittsteller zu den Taliban einen Dolmetscher(!) mitbringen mussten, denn die Herrscher sprachen eine andere Sprache.10 VII. AußenpolitikBeide hier zu vergleichende Regime, der deutsche Faschismus und die al-Qaida-Taliban streben bzw. strebten eine Weltherrschaft an. Die al-Qaida ist weltweit organisiert und versteht ihren heiligen Krieg als eine weltweite Aufgabe. Das Weltmachtstreben der Nazis wird als bekannt vorausgesetzt. Zur Durchsetzung ihres Weltmachtsanspruchs setzen beide Ideologien / Regime auf Krieg. Die Deutschen gaben vor, für "Lebensraum im Osten" zu kämpfen, ihr Ziel war es aber den gesamten Osten als Kolonie zu versklaven. Die militärischen Vorstöße der Nazis erstreckten sich im Süden bis auf den Balkan und nach Nordafrika, im Osten bis vor Leningrad, Moskau und Stalingrad. Das Goebbels-Wort vom "totalen Krieg" illustriert, dass der Krieg für die deutschen Faschisten eine ganz zentrale Kategorie war. Die gesamte Gesellschaft war militarisiert und die Menschen in vielen Zwangsorganisationen militärischer Disziplin unterworfen. VIII. Krieg und TerrorpolitikBei den Islamisten ist der Krieg ebenfalls die zentrale Kategorie ihrer Existenz. Schon den Kindern wird in den Koran"schulen" täglich der "heilige Krieg" gepredigt. Diese Indoktrination ist der Hauptgegenstand des islamischen "Bildungssystems" für Männer. Der Mann ist ein Krieger, ein Gotteskrieger, dessen Märtyrertum dem Gott Allah zur Ehre gereicht. Den im Kampf Getöteten wird eine jenseitige Heilsversprechung gemacht; die jungen Männer werden mit der Erwartung von 72 Jungfrauen im Jenseits geködert. Terror war ein zentrales Mittel der Machtausübung der deutschen Faschisten. Für alle Oppositionellen, zuerst für die ArbeiterInnenopposition, wurden Konzentrationslager eingerichtet. Alle aktiv Oppositionellen wurden ohne Gerichtsverfahren in KZs geworfen: SA, Gestapo als Mittel des Terrors. Terror der Wehrmacht und anderer militärischer Abteilungen im Krieg. In den Lagern der al-Qaida wurden tausende Terroristen ausgebildet, um in anderen Ländern den heiligen Krieg mit unheiligen Mitteln zu führen: Kaschmir, Tschetschenien, Philippinen. IX. Innere und kulturelle UnterdrückungspolitikDie Bürger des Landes wurden auf der Straße terrorisiert. Sie wurden geschlagen, es fanden öffentliche Hinrichtungen statt, die Leute wurden strengsten theologischen Regeln unterworfen, auch so absurden wie der der Mindestlänge des Bartes. Angehörige nichtislamischer Religion mussten öffentlich Stoffabzeichen zur Kennzeichnung tragen, was fatal an die von den Nazis eingeführten Judensterne erinnert. Selbst islamische Schiiten wurden verfolgt. In der "Frankfurter Rundschau" stand ein Bericht des epd in dem davon berichtet wurde, dass Schiiten die Häuser angezündet wurden. Die Zensur bzw. das Verbot der Kultur sind ebenfalls besonders auffällige Ähnlichkeiten. Bei den Deutschen wurde alle nicht deutsche Kultur, als "entartete Kunst" gebannt und aus den Ausstellungen entfernt. Schon 1933 wurden öffentlich alle nicht deutschen Bücher verbrannt. Schriftsteller und KünstlerInnen, die sich nicht dem Faschismus anpassten waren zur Emigration gezwungen. In Afghanistan war es sehr ähnlich und schlimmer. Leute wie Bin Laden setzten das Ziel der Vernichtung aller nichtislamischen Kultur und der vorislamischen Kulturzeugnisse.11 Bildliche Darstellungen waren von den Taliban völlig verboten worden. Die Bibliotheken und Museen in Kabul wurden zerstört. Bücher verbrannt, Instrumente vernichtet, Künstler verfolgt und getötet. Die Kulturschaffenden gingen ins Exil oder in den Norden, wo sie bei der Nordallianz eine Möglichkeit hatten, zu überleben. Im einzigen Radiosender des Landes wurde während der sechs Jahre Taliban-Terror keine Musik gespielt. Das Fernsehprogramm wurde wegen dem Bilderverbot völlig eingestellt. In den Straßen Kabuls und z.B. auch in Kundus konnte man die Tonbänder aus Musikkassetten als Knäuel an den Laternenmasten hängen sehen. Die Nazis belegten die Unterhaltungskultur mit Zensur. Westliche Musik, wie Jazz oder Swing und das Hören von Feindsendern waren verboten. Das Reichspropagandaministerium kontrollierte die Filmproduktionen, das Radioprogramm und die Zeitungen und alle andere Alltagskultur. Bei den Taliban unterstand die Presse und das Radio auch der Zensur. Aus religiösem Wahn heraus war aber nicht nur Musik, sondern auch jede Abbildung von Menschen in der Zeitung verboten. Es gab für die afghanische Bevölkerung (22 Millionen Menschen) aber nur eine Zeitung mit einer Auflage von 23.000 Stück. Die Nazis organisierten Pogrome gegen Juden, jüdische Geschäfte und Synagogen, was öffentlich den Terror zeigte. Zu Beginn der Nazizeit konnte man in den Straßen, in der Nähe von Polizeiwachen die Schreie der Gefolterten hören, doch später verlagerten die Nazischergen ihre Folterungen in die Konzentrationslager. Innenpolitisch war das Naziregime eine Polizei- und Folterdiktatur, die aber durch soziale und kulturelle Angebote ("Kraft durch Freude"), den Anschein der Normalität wahren wollte. Bei den Taliban wurde nicht versucht einen Schein zu wahren. Die in den Straßen an Kränen aufgehängten Leichen, die auf der Straße prügelnde Religionspolizei übte täglich Druck aus. Keine Übereinstimmung zwischen Taliban und Nazis gibt es hinsichtlich der terroristischen Massenverfolgung von Minderheiten. Die Taliban hatten (soweit bis heute bekannt) kein KZ-System, keine Menschenversuche und keine Massenvernichtung, wie die der Juden in der Shoah. Aber es gab öffentliche Hinrichtungen und willkürliche Verhaftung, Einkerkerung und Ermordung von Gefangenen. Das deutsche Justizsystem war unter den Nazis nur scheinjuristisch. Selbst für Fahrraddiebstahl oder das Klauen einer Schokolade wurde im Krieg die Todesstrafe verhängt. Ins KZ wurde Millionen ohne Anklage, ohne Urteil gebracht. Es gab tausende willkürliche Todesurteile, unterschrieben von blutrünstigen Nazirichtern. Unter den Taliban wurde eine besondere Form der Scharia angewandt, die auch Elemente der paschtunischen Stammesbräuche übernahm. Menschen wurden vor Schnellgerichte ohne Verteidiger gezerrt und zu barbarischen Strafen verurteilt: Abhacken von Gliedmaßen, Auspeitschen, Steinigen, öffentliche Hinrichtung (Kehle durchschneiden). * * *
Zur BEGRIFFSBESTIMMUNGIm Zuge einer verallgemeinernden Erkenntnis und Begriffsbestimmung ist die Anwendung gleicher Begriffe für ähnliche Erscheinungen nicht nur üblich, sondern unerlässlich. Für die Kommunikation, das Erkennen und Benennen der Realität ist die Abstraktion eine dem Menschen gegebene Fähigkeit. Die Zahl und Mannigfaltigkeit der Bäume hindert uns nicht, sie doch alle als Bäume zu erkennen und zu benennen. Der Begriff Faschismus kann bei wesensähnlichen Erscheinungen verwendet werden. Die Taliban/al-Qaida-Islamisten sind aufgrund der unabweisbaren Wesensähnlichkeiten eine besondere, islamistische Form des Faschismus. Faschismus wird als eine Form der Barbarei verstanden, als eine historische Sackgasse für die Menschheit und damit als direktes Gegenstück für das weltweite menschliche Emanzipationsstreben. Der islamistische Faschismus und der deutsche Faschismus sind zwei Erscheinungsformen und Drohungen, die die Menschheit in den Abgrund blicken lassen. Abschließend muss hinzugefügt werden: Die Stalinisten waren vor 1933 nicht in der Lage den Faschismus zu erkennen und sie waren auch nicht in der Lage ihn erfolgreich zu bekämpfen, weil sie einen falschen Hauptfeind (die Sozialdemokratie) ausmachten. Die ideologischen Nachläufer der stalinschen Verfälschungen des Marxismus und Sozialismus sind auch heute nicht in der Lage bestimmte faschistische Bewegungen zu erkennen und sie geraten unter sozialdemokratischem Einfluss in die Lage, die Gewalt pauschal zu verdammen und wieder die falsche Seite zu bekämpfen. 5. Der Charakter des KriegesAls Ergebnis des Studiums der Geschichte kommt man dazu der Erkenntnis, dass Bürgerkriege stets revolutionären Charakter haben. Von Marx und Engels wurde im Zusammenhang mit Bürgerkriegen immer von Revolution gesprochen. Sie begannen ihre kommunistische Tätigkeit im Zuge der 1848er Revolution, die ein Krieg der Klassen, ein Bürgerkrieg war. Es ist unklar auf wen und auf welche historische Position sich die DKP in ihrem unbedingten Pazifismus beruft. Auf Marx kann sie sich sicher nicht berufen, denn Marx und Engels waren Verfechter des Klassenkriegs! Marx und Engels haben im amerikanischen Bürgerkrieg, die Nordstaaten verteidigt, denn diese standen auf der Seite des Fortschritts. Die expansiven Sklavenhalterstaaten des Südens waren aggressiv und mussten von den Nordstaaten, deren Gesellschaft auf individueller Freiheit, auf freier Lohnarbeit beruhte, nieder gerungen werden. Die marxsche Aussage, dass jeder Bürgerkrieg eine Revolution ist, kann ich hier nicht im einzelnen nachweisen, doch einige erläuternde Beispiele will ich nennen: die Pariser Kommune (französischer Bürgerkrieg), Bauernkriege in Europa (frühbürgerliche Revolution), Sklavenaufstände des Altertums, spanischer Bürgerkrieg, amerikanischer Bürgerkrieg. Der Krieg in Afghanistan ist ebenfalls seit 22 Jahren ein Bürgerkrieg. Der Kampf zwischen Nordallianz und Taliban war der zwischen Republik und feudalen Faschisten. Auf der Seite der Republikaner kämpften Befürworter einer islamischen Republik ebenso wie die einer demokratischen Republik. Es wird sich zeigen, wer sich durchsetzt. Das Taliban-Regime war ein feudal-faschistisches Emirat Afghanistan; die Nordallianz ist Vertreter der Islamischen Republik Afghanistan und als solche bei der UNO anerkannt. Das sind die nackten Fakten! Der Krieg in Afghanistan war also ein Bürgerkrieg - immer wieder mit ausländischer Einmischung: Es gab russische Unterstützung für Nadjbullah, pakistanische und US-amerikanische für die Mudjahedin (v.a. den Verbrecher Hekmatiar) und später für die Taliban. Die Fraktion von Massoud war für die Amis nicht käuflich und ihnen wurde deshalb zugunsten skrupelloser Figuren wie Hekmatiar keine Hilfe gewährt. Die Nordallianz insgesamt wurde von den USA nicht vor dem Oktober nicht unterstützt. Diese erhielt nur noch etwas Support durch Russland, sie mussten aber für die gelieferten Waffen zahlen. Im neu aufgeflammten Krieg haben die USA zuletzt die fortschrittlichere Seite unterstützt, auch die Russen lieferten im Oktober zahlreiche Panzer, was neben dem Bombardement kriegsentscheidend war. Die USA halfen der Nordallianz nicht aus freien Stücken, nicht ohne ökonomische Ziele, aber sie haben es getan. Dies ist deshalb eine nicht unbedeutende Neuerung, weil die USA vorher immer auf der reaktionärsten Seite intervenierten. Warum ich die Taliban/al-Qaida faschistisch nenne, habe ich dargelegt. Wer nicht anerkennen will, dass die Nordallianz gegenüber den Taliban/al-Qaida-Faschisten fortschrittlicher ist, der muss sich die Frage gefallen lasse, ob es ihm egal ist, dass die weibliche Mehrheit der Bevölkerung bei den Faschisten nicht lernen und keinen Beruf ausüben durfte - solch eine Haltung ist frauenfeindlicher Rassismus. Dieselben, die Misstrauen gegen die bürgerlichen Medien predigen, orientieren sich offenbar lieber an den kleinbürgerlichen Vorstellungen und Vorurteilen, als an den verfügbaren Fakten. Welchen Charakter hatte nun also der Krieg in Afghanistan? Es war ein Bürgerkrieg mit ausländischer, u.a. imperialistischer Einmischung. Es war kein imperialistischer Krieg, es sei denn man wollte jeden Krieg an dem auch Imperialisten beteiligt sind, schon allein deshalb als imperialistisch einordnen - aber das wäre albern. Die ausländische Beteiligung betrifft übrigens nicht nur die USA und Russland, nein damit sind auch die zahlreichen islamisch-arabischen Söldner gemeint, die eine Hauptstütze der Taliban-Faschisten sind bzw. waren! In klarer, an Marx orientierter Analyse, die das Kriterium des historischen Fortschritts betont, stelle ich fest: es ging um eine Auseinandersetzung zwischen Republik und Feudalismus. Zuerst ging es um eine demokratische Republik und später um eine islamische Republik. Der Feudalismus wurde von historisch-regressiven Islamfaschisten vertreten und in Form eines Emirats wieder eingeführt. Der Emir hieß Emir Mullah Omar. Jetzt gilt es darum zu kämpfen, dass Afghanistan eine demokratische Republik wird, was durchaus nicht sicher ist, es könnte auch eine islamische mit verstümmelter Demokratie werden. 6. Altgläubige Linke ignorieren den Islamismus und pflegen ihr Pazifismus-DogmaDas Kriterium des historischen Fortschritts war zu Zeiten des sog. realen Sozialismus allgegenwärtig, wurde zur Verteidigung desselben gerne angeführt - heute ist es vergessen. Die Bourgeoisie gilt schlicht als reaktionär, das sie eine fortschrittliche Rolle spielen könnte wird pauschal, ohne Ansehen der Fakten, also dogmatisch geleugnet.12 Die Übernahme pazifistischer Positionen durch Kommunisten markiert deren Übergang auf die Seite des Reformismus. Wer die Unterdrückten auf die sozialistische Revolution vorbereiten will, der darf sie nicht mit pazifistischen Illusionen abfüttern. Klassenkampf und Pazifismus sind absolut unverträgliche Gegensätze. Wie Marx sagte, ist die Gewalt der Geburtshelfer der Geschichte. Wer es als marxistisch ausgibt, dass man Krieg immer ablehnen muss, der täuscht die Unterdrückten, täuscht sie auch über notwendige revolutionäre Aufgaben hinweg, die anstehen könnten. Es gibt nicht nur ungerechte, sondern auch gerechte Kriege - der Krieg zum Sturz der Taliban, der von der Nordallianz mit Unterstützung der USA geführt wurde, war solch ein Krieg, denn er führte zum Sturz einer faschistischen Söldnerbande und eröffnete den Weg für eine bessere Zukunft in einer afghanischen Republik. Das wäre eine historisch fortschrittlichere Position, auf der aufgebaut werden kann. Mangels Arbeiterklasse, mangels Partei und angesichts der realen Bewusstseinslage ist der Appell für eine sozialistische Revolution in Afghanistan unsinniger Voluntarismus. Es gibt erschreckenderweise trotzkistische Gruppen (z.B. ITO), die für eine militärische Union mit den faschistischen Taliban eintreten. Außerdem gibt es Trotzkisten, die nun für Kabul eine Arbeiterregierung fordern. Der linksradikale Idealismus ist zu allerlei Kapriolen fähig. Die Gruppe "Arbeitermacht" beginnt mit der Kritik der Taliban nachdem diese gestürzt wurden. Jürgen Reents, Chefredakteur des Neuen Deutschland, verdammt in einem Kommentar13 die Waschung des Pelztieres und freut sich dann, dass er so schön sauber geworden ist. Mit anderen Worten, er lehnte den Krieg ab, um dann die Folgen, z.B. Freiheitsrechte für die Frauen zu begrüßen. Wie nennt man so was: Opportunismus. In den Presseorganen "Unsere Zeit", "junge Welt" und "Sozialistische Zeitung - SoZ" wird seit Anfang Oktober eine streng antiimperialistische Haltung eingenommen. Über den islamistischen Terror war in diesen Zeitungen nichts zu lesen. Er spielte in den Analysen und Beurteilungen noch nicht mal eine Nebenrolle. Die einzige Ausnahme bildete ein Artikel über Wahabismus in der SoZ. Diese Zeitungen haben ihre LeserInnen einseitig informiert und manipuliert. Die Verantwortungslosigkeit der zuständigen Redakteure darf nicht vergessen werden. Sie haben den barbarischen Charakter des Terrorismus ebenso verschwiegen wie den faschistischen Charakter der Taliban. Das festgeklopfte Dogma vom bösen Amerika ist der übriggebliebene Rest einer alten, verfaulten Auffassung. Während des kalten Krieges gab es zwei Positionen: Für die Sowjetunion und gegen die USA bzw. Gegen die Sowjetunion und Gegen die USA. Da die Sowjetunion verschwunden ist hat sich diese Position auf "Gegen die USA" reduziert. Es ist also nur Antiamerikanismus übriggeblieben. Die Altlinke geht nicht von realen Fakten aus. Sie stellt ihren Antiimperialismus-Begriff ins Zentrum und glaubt, dies sei eine fortschrittliche Position. Ohne eine Erkenntnis der Verhältnisse und ohne auf die antiemanzipatorische Rolle der Islamisten und deren verdammungswürdige Religion einzugehen. Das soll nicht heißen, dass wir auf eine Kritik der imperialistischen Politik verzichten, es bringt uns aber der Wahrheit nicht näher, wenn wir etwa die USA bezichtigen, der alleinig Schuldige am Islamismus zu sein. Es gibt auch Leute, die stellen frech die These in den Raum, der Islamismus sei ein Produkt der CIA. Eine verkürzt eindimensionale Sicht. Diese Einseitigkeit führt die Altlinken dazu, dass sie die Welt nicht mehr plastisch, nicht mehr in ihren Zusammenhängen sehen und verstehen können. Das ist so einseitig dumm, wie manche Altlinke die Rote Armee Fraktion schlicht als Werk oder Werkzeug des Geheimdienstes hingestellt hatten. Zweiseitigkeiten werden ausgeblendet, Zusammenhänge nicht gesehen, Entwicklungen unterschlagen und Widersprüchen werden zugekleistert. So entsteht ein verzerrt groteskes Weltbild. Ausgeblendet werden vor allem immer noch die Ideologien - keine Wunder, bei all der Ideologieproduktion auf der Linken. Ideologie und Materialismus sind übrigens wie Feuer und Wasser - es sind unversöhnliche Widersprüche. Es ist wie beim Jugoslawienkrieg. Die Ideologiekritik blieb aus, der völkische Charakter der albanischen UCK wurde ausgeblendet. Dabei sind dort genau dieselben islamischen Fanatiker am Werk gewesen wie in Afghanistan. Die al-Qaida unterstützte die UCK tatkräftig. Doch während die Altlinke dies im Jugoslawienkrieg ein wenig bzw. ansatzweise kritisierte, schweigt sie heute völlig über den islamistischen Terrorismus. Das liegt nur daran liegt, das der imperialistische Feind getroffen wurde. Es wird nach dem falschen Prinzip geurteilt: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Der Hass auf die USA überlagert alles. Selbst bei dem begrenzten militärischen Einsatz der BRD-Armee wird hysterisch geschrieben, als handele es sich um einen Eroberungskrieg, dabei hätte es sich nur um unterstützende Maßnahmen gehandelt. Die Maßstäbe sind völlig irre geworden. Die linksradikale Phrase überdeckt die Realität. Demnächst werden wieder die Sozialdemokraten als Faschisten hingestellt, genauso wie es 1930-33 die KPD getan hat. Schon heute liest man in sozialrevolutionären Blättern ("barricada") von einem "Führer Schröder" und "totalitären" Gesetzen. Ausgehend von ihren Dogmen, die Altlinken nennen das ihre "Prinzipien", können sie kein fortschrittliches Urteil fällen, wählen sie die zwanghafte politische Positionsbestimmung. Es ist nicht angenehm für einen Krieg zu plädieren, aber so ist die Welt. Vor dem islamistischen Faschismus zu kapitulieren wäre ein grober Fehler und es war ein Fortschritt das ihm endlich einmal entschlossen entgegen getreten wurde. (12.12.2001)
[Korrigierte, ergänzte Langfassung des Referats vom 8.12.2001] 1 Ahmed Rashid: Taliban. Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad", zitiert nach DER SPIEGEL, 41/2001, S.184 2Meldung Frankfurter Rundschau, 29.10.01, S.2 UN-Beauftragter wirft Taliban Massaker vor; ebenso: BBC-Dokumentation, gesendet von CNN, Nov.2001 3siehe: Friedrich Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft; zitiert nach: MEW, Bd.19, S.196 4siehe: Gerhard Henschel: Sei doch kein Muselmann, Eine Koranrezension, KONKRET, 12/2001, S.44 5 Thomas von der Osten-Sacken / Thomas Uwer: Nach der "Befreiung", Über die Geburt des Islamismus aus dem Scheitern emanzipatorischer Bewegungen, KONKRET, 12/2001, S.38 7die frauenfeindliche Ideologie des Christentums etwa wird an vielen Stellen der Bibel deutlich 8Anmerkung: würde sich ein Schaf einen Gott einbilden, dann wäre dies ein Schaf, ein Vogel stellte sich einen Vogel vor, denn nur der wäre in seinen Augen vollkommen. 9AugustThalheimer in:Texte zur Faschismusdiskussion 1, Positionen und Kontroversen, Hrg.: Reinhard Kühnl, rororo aktuell 1824, Leo Trotzki: in "Schriften über Deutschland". 10lt. Frankfurter Rundschau, 24.11.2001, Seite 3: Die Träume kehren zurück, von Florian Hassel 11Afghanistans Kultur geht auf Jahrtausende zurück, vor der Ausbreitung des Islam war hier der Buddhismus verbreitet. 12erstaunlicherweise ist die Anwendung leninistischer Dogmen wieder sehr "modern" geworden; noch erstaunlicher ist, dass sie selbst vom kapitalistischen Yuppie Joop und vom Nationalheiligen Rudolf Augstein gepredigt werden. 13siehe: Neues Deutschland, 17.11.2001, Seite 1
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