14.11.03
Die bisher gescheiterte Einführung der LKW-Maut auf Autobahnen offenbart einige Probleme der Politik und Ökonomie in Deutschland. Nach einem Spitzengespräch von Minister Stolpe und den Verantwortlichen des Konsortiums Toll Collect wurde der Beginn der Probephase erneut verschoben. Wann mit einer Einführung zu rechnen ist, bleibt weiterhin vollkommen unklar. Es zeigt sich, dass die Entscheidung des Ministers Bodewig (SPD) für eine deutsche Insellösung viele Probleme aufgeworfen und keine gelöst hat. Mit dem Auftrag an die Großkonzerne Daimler und Telekom wurde eine sehr teuere und aufwändige Technologie gewählt, von der befürchtet werden muss, dass sie niemals problemlos funktioniert.
In die LKW werden teure Steuerungsmodule eingebaut, deren Software nicht richtig arbeitet - es wurde von Ausfallquoten von bis zu 90% berichtet. Die Verzögerung wurde außerdem durch die Unfähigkeit der Industrie verursacht rechtzeitig die zugesagten Geräte zu liefern. Dazu gehören auch die Konsolen, an denen die Maut manuell eingebucht werden soll. Diese stehen beispielsweise an Tankstellen. Sie sind, was schon jetzt klar ist, aber derart kompliziert zu bedienen - Eingabe der genauen Route und Fahrzeit ist erforderlich - dass nicht nur ausländische LKW-Fahrer große Probleme mit der Handhabung haben werden.
Das sind aber noch nicht alle Probleme. Die veranschlagten Verwaltungskosten des Systems sollen sich laut Fernsehberichten auf 25% der Einnahmen belaufen. Die Funktionsfähigkeit des Systems ist aufgrund seiner Komplexität insgesamt anzuzweifeln, ebenso, ob es eine kompatible Technik für andere Länder ist. Und selbst wenn es einmal klappen sollte, dann müssen laufende Ausfälle durch technische Fehler befürchtet werden.
Die Politik hat sich für eine komplexe, störungsanfällige industrienahe Lösung entschieden, von der zu sagen, dass sie nicht ausgereift ist, als Beschönigung der Lage angesehen werden muss. Die Frage einer europäischen Vereinheitlichung, denn in ganz Europa werden Mautsystem installiert, hat die Deutschen nicht interessiert. Sie spekulierten wohl darauf ihre kostspielige Lösung den anderen Ländern aufzuzwingen, um die Profite nationaler Unternehmen zu erhöhen. Es sieht zudem so aus, als handelte es sich um eine Subventionierung deutscher Konzerne auf Kosten der Verbraucher, denn es ist seit langem bekannt, dass es funktionsfähige und weit günstigere Technologien gibt, die sich in der Praxis auch schon bewähren. Gegen die Konzernvariante gab es schon vor Jahren einen weiteren mittelständischen Bewerber, dessen Technik weit billiger und vergleichsweise unkompliziert gewesen wäre.
Bedenklich am deutschen System ist zudem, dass eine ungeheuere Datenflut erhoben wird. Alle Fahrzeuge, die unter den Apparaturen auf den Autobahnen hindurchfahren werden fotografiert. Die überflüssigen Daten werden erst nachträglich gelöscht. Eine Überwachung des Autobahnverkehrs in orwell'scher Dimension ist damit möglich.
Das Toll-Collect-Mautsystem wäre nicht die erste deutsche Industrieruine. In Kalkar steht z.B. eine, die mehr als sieben Milliarden Mark verschlungen hat (Schneller Brüter) und der Minister Stolpe hat mit dem Konkurs der Cargo Lifter AG schon mal einer Milliardenbeerdingung 1.Klasse beigewohnt. Dabei gibt es in diesem Fall Alternativen. Denn eines unserer Nachbarländer hat ein System installiert, dessen Vorteile auf der Hand liegen: Es funktioniert, ist unkompliziert und viel billiger. Die Module in den LKW kosten nur 5 € und nicht 200 € und werden einfach an die Scheibe geklebt, weshalb Installationskosten und Standzeiten entfallen. Zudem frisst der Aufwand für die Verwaltung nur 7% der Kosten und nicht 25%. Am besten wäre es deshalb den Vertrag mit dem Toll-Collect wegen Unfähigkeit zu kündigen und die billige österreichische Lösung zu übernehmen.
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